"Es existiert nicht nur eine Trasse zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela, sondern ein spinnennetzartiges Pilger-Wegesystem in ganz Europa", erklärt der Wissenschaftler für Mittelalterliche Geschichte Mitteleuropas, der sich gemeinsam mit Studenten der Frankfurter Europa-Universität "Viadrina" auf historische Spurensuche begeben hat.
Denn während die Wiederentdeckung des Jakobsweges bei modernen Pilgern in Spanien, Frankreich, West- und Süddeutschland bereits einen wahren Boom ausgelöst hat, gelten Ost- und Norddeutschland noch als nicht erschlossene, weiße Flecken. Im Mittelalter, so fanden Professor und Studenten heraus, nutzten Pilger vor allem die alten Handelsstraßen auf ihrem Marsch zum Grab des Jakobus. Frankfurt war als damals aufstrebende Hansestadt gewissermaßen ein Knotenpunkt für mehrere Pilgerwege. Hier trafen beispielsweise Polen und Bewohner des Baltikums auf Norddeutsche. Eindeutige Belege für die Lage der Oderstadt am Jakobswegenetz sieht Knefelkamp in der Apostelfigur am Nordportal der Frankfurter Marienkirche und in dem im Mittelalter gegründeten Jakobus-Spital am Oderufer.

Suche nach parallelen Wegen
Da die alten Trassen inzwischen nicht mehr existieren oder aber wanderunfreundlich asphaltiert wurden, suchten die Frankfurter Jakobs-Forscher nach parallelen Wegen. Vier verschiedene Varianten des Jakobsweges haben sie laut Knefelkamp inzwischen entdeckt. Die erste verläuft parallel zur Bundesstraße 1 in Richtung Berlin, die zweite entlang der Bundesstraße 87 gen Süden nach Leipzig, eine dritte führt schließlich über Fürstenwalde und Müncheberg nach Norden in die Prignitz. Bestrebungen zur Wiederbelebung des Pilgertums auf alten Pfaden gibt es inzwischen auch in Polen. Deshalb sind "Viadrina"-Studenten gerade dabei eine grenzüberschreitende Verbindung nach Poznan (Posen) zu erforschen, vierte Variante des Jakobsweges.
Im nächsten Frühjahr sollen die inzwischen erforschten und kartierten 150 Kilometer Ostbrandenburger Jakobsweg ausgeschildert werden. Das Wirtschaftsministerium hat nach Angaben des Professors bereits finanzielle Unterstützung zugesagt. Erhofft man sich dort doch ebenso wie in der Region touristische Effekte. Hat doch nicht zuletzt Komiker Hape Kerkeling durch sein Pilger-Bestseller-Buch einen wahren Trend ausgelöst. "Der Pilgerweg ist keineswegs nur etwas für gläubige Menschen, sondern auch für Leute, die die Herausforderung suchen, Füße und Physis testen wollen", ist der Professor überzeugt. Schon im Mittelalter, erklärt er, waren es durchaus nicht nur religiöse Motive, mit denen sich die Pilger auf den Jakobsweg machten.

Pilgerführer ist in Arbeit
In Vorbereitung ist auch ein schriftlicher Pilgerführer inklusive Kartenmaterial, mit dessen Hilfe der Jakobs-Wanderer sich in der Region orientieren kann. Eine Geschichtsagentur - Ausgründung der "Viadrina" - könnte die Vermarktung und die Entwicklung von Thementouren in Kooperation mit den Tourismusverbänden organisieren.
"Die am Wegesrand liegenden Orte und Bewohner müssen sich natürlich einbringen, damit die Trassen für moderne Pilger zum Erlebnis werden", sagt Knefelkamp und verweist auf eine bereits gute Kooperation mit mehreren Kirchengemeinden. Um das Jakobs-Wegenetz in der Region bekannt zu machen, ist eine Wanderausstellung geplant.