Die unverhüllte Barockfassade unterhalb vom Kuppelansatz ist unterdessen seit Monaten schon meistfotografiertes Objekt der Touristen in der Elbestadt.
Im Zwei-Schicht-System fügen rund 40 Maurer die bis zu eine Tonne schweren Deckplatten zur äußeren Kuppelschale zusammen und nutzen rund 25 Kilogramm schwere Sandsteine für die Hintermauerung. Dazu hatten Zimmerleute und Gerüstbauer ein Lehrgerüst gebaut. Für die geschwungene Schalung wurden rund 35 Kubikmeter Holz benötigt. Das Gerüst und seine 106 Tonnen schwere stählerne Stützkonstruktion wird wieder abgebaut, wenn die gemauerte Kuppel Ende Juni vollendet ist.
Diplom-Ingenieur Andreas Wycislok gilt als "Mörtel-Doktor" auf der Baustelle Frauenkirche, die seit sieben Jahren sein "zweites Zuhause" ist, wie er sagt. "Dieser Wiederaufbau ist natürlich für jeden eine einmalige Herausforderung, vom großen Konzept und symbolträchtigen Anliegen bis zum Detail", berichtet der 40-jährige Bauingenieur.
Herausforderungen bestehen für Wycislok in klitzekleinen Körnern Sand in verschiedenen Abstufungen und geheimen Rezepturen zum Beispiel für Fugenmörtel. "Wir haben sandsteinartigen Mörtel entwickelt, der dann doch zu hart war, und haben uns danach ans Optimum herangetastet, sagt der Ingenieur. „Aber der Mörtel für die acht Innenpfeiler, die an ihrem Fuße eine Last von 1700 Tonnen zu tragen haben, muss ein anderer sein als der Fugenmörtel für die Kuppel.“ Dort gehe es „um gute Flankenhaftung, niedrigen Sättigungswert und eine gewisse Elastizität“ . Die „steinerne Glocke“ muss auch in ihren fünf bis sieben Millimeter breiten Fugen, selbst bei extremen Temperaturschwankungen elastisch genug sein. Sechs Jahre Forschung und Entwicklung waren nötig, um das Geheimrezept zum Verfug- und Vergussmörtel für die Kuppel der Dresdner Frauenkirche zu finden.
Die Frauenkirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und wird derzeit originalgetreu nach den Plänen ihres Erbauers George Bähr (1666-1738) wieder aufgebaut. Die Kosten belaufen sich auf rund 125 Millionen Euro.