Wie stellt sich die Lage der Migranten statistisch dar?
Zwei Drittel von ihnen sind zugewandert, ein Drittel ist in Deutschland geboren. Personen türkischer Herkunft bilden mit 18,3 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von Bürgern mit polnischer Herkunft (9,4 Prozent). Im Durchschnitt sind Menschen mit ausländischen Wurzeln 35,5 Jahre alt, während der Rest der Bevölkerung 46,4 Jahre alt ist. Einwanderer haben nach wie vor ein doppelt so hohes Armutsrisiko. Selbst dann, wenn sie Abitur haben. Denn laut Özoguz mindert ein fremdklingender Name immer noch den Erfolg auf dem Arbeitsmarkt.

Haben sich die Bildungschancen verbessert?
Teils, teils. Obgleich Schüler mit Migrationshintergrund über die Jahre ihre Leistungen verbessern konnten, sind immer noch deutliche Unterschiede zu ihren Klassenkameraden ohne Migrationshintergrund erkennbar. In den Hauptschulen sind ausländische Schüler überrepräsentiert (27,5 Prozent zu 10,6 Prozent Deutsche) und an den Gymnasien unterrepräsentiert (24,5 zu 48,9 Prozent Deutsche). Aber: 16,2 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund machen inzwischen Abitur, fünf Prozentpunkte mehr als noch 2008 (deutsche Schüler: 44,3 Prozent). Özoguz verwies dabei auf die Rolle der Eltern. Sie hätten zwar hohe Erwartungen, seien aber oft vom Bildungssystem überfordert. Welche Bedeutung haben Migranten für den Arbeitsmarkt?
Zwar wächst ihre Bedeutung wegen des Fachkräftemangels. Dennoch ist laut Bericht die Arbeitslosenquote bei Ausländern weiterhin mehr als doppelt so hoch als bei Deutschen (14,4 Prozent gegenüber 6,2 Prozent im Jahresdurchschnitt 2013). Auch bleiben 30,5 Prozent der ausländischen jungen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufausbildung. Außerdem bestehen nach wie vor Unterschiede bei der Bezahlung, der Arbeitszeit und der Art der Beschäftigung zu Menschen ohne Migrationshintergrund.

Wie gut sind die Deutschkenntnisse der Migranten?
Immer noch können rund 20 Prozent der Migranten nicht ausreichend Deutsch sprechen. Das schafft Probleme, beispielsweise bei der Gesundheitsversorgung. Informationsmaterialien werden nicht verstanden oder Migranten können ihre Beschwerden dem Arzt nicht verständlich machen. Zu oft nehmen sie deshalb Leistungen des Gesundheitswesens nicht in Anspruch. Die deutsche Sprache zu können, so Özoguz, sei aber für Integration und Teilhabe das Wichtigste.

Nehmen Migranten am gesellschaftlichen Leben teil?
Nicht genügend. Beispiel Sport. In den über 91 000 Sportvereinen gibt es 27,5 Millionen Aktive. Menschen mit Migrationshintergrund sind nach wie vor deutlich seltener dabei - 2,6 Millionen sind Mitglied in einem Sportverein. Das entspricht aber nur einem Anteil von neun Prozent. Besonders gering ist der Anteil der Mädchen und Frauen in Sportvereinen. Zwei Drittel sind Männer, nur ein Drittel Frauen.