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Auerhuhnprojekt in Elbe-Elster
„Liebhaber“ in Schweden beschafft

Erstmals gibt der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft einen Auerhuhn-Kalender heraus – hier gezeigt von Katrin Heinrich – und begleitet so das Projekt für die Öffentlichkeit.
Erstmals gibt der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft einen Auerhuhn-Kalender heraus – hier gezeigt von Katrin Heinrich – und begleitet so das Projekt für die Öffentlichkeit. FOTO: Frank Claus / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Bad Liebenwerda/Jämtland. Die „Damen“ des Auerhuhnprojektes des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft bekommen „Männer“. Frank Claus

  Wieder Erfolg für die Auerhuhnfänger vom Auerhuhnprojekt des Naturparkes Niederlausitzer Heidelandschaft (Elbe-Elster):  In der mittelschwedischen Provinz Jämtland  – an den Grenzen zu Norwegen und Lappland gelegen – hat das Team fünf der äußerst scheuen Auerhähne gefangen. Seit der vergangenen Woche erobern die Tiere ihre neue Heimat in der Babbener Heide zwischen Sonnewalde und Calau. Dort werden die „Männer“ von den „Damen“ sicher rechtzeitig vor der Balz freudig begrüßt.

„Sie müssen sich das so vorstellen: Beim Fahren die Reifen qualmen lassen, macht ja auch nur Spaß, wenn jemand zuguckt“, zieht Lars Thielemann, Leiter des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft einen bildhaften Vergleich zum menschlichen Balzverhalten und lacht.

Nach der erfolgreichen Frühjahrsfangaktion in Lappland – ingesamt 51 Auerhennen gingen ins Netz – wurden 32 in der Babbener Heide rechtzeitig vor der Balz im nächsten Frühjahr ausgesetzt. Die restlichen Tiere fanden ihre neue Heimat in der Rochauer Heide zwischen Hohenbucko und Dahme sowie im Naturschutzgebiet Weißhaus bei Finsterwalde. Nur ein Tier hatte damals den Flug aus Schweden nicht überlebt.

Dabei gestaltete sich die „Männer-Besorgungsaktion“  – genauso schwierig wie erwartet. „Die ersten drei Tage haben wir kein Tier überlisten können“, berichtet Projektleiter Dr. Alexander Zimmermann. „Da war die Stimmung der Fangcrew schon ziemlich am Boden.“ Sollte die bei den Hennen angewendete Technik mit speziellem Fangkescher bei den „Herren“ nicht aufgehen? Überlistet werden die Hühnervögel aus dem fahrenden Auto heraus, weil sich in diesem Gebiet Schwedens viele Tiere an den  Straßenrändern aufhalten.

Doch dann änderte sich die Wetterlage. Es wurde diesiger, regnerischer. Das Team entschied sich, bei Einbruch der Dunkelheit zu starten und ohne Licht auf den ohnehin kaum frequentierten Straßen zu fahren. Ein genialer Schachzug. Nun gelang es, den nur einen Moment unaufmerksamen Hähnen den Kescher überzustülpen. Wieder mal war Naturparkleiter Lars Thielemann der erfolgreichste Jäger. Doch der will darüber eigentlich nichts lesen: „Auerhuhnfang ist Mannschaftsleistung. Du brauchst gute Fänger, gute Fahrer und eine Truppe mit Leidenschaft und Ausdauer. Allein der Rücktransport mit dem Auto über fast 1500 Kilometer ist eine Tortur für alle.“

Während die Hennen eher im Frühjahr gefangen werden, stellt die Crew den Hähnen im Herbst nach. „Dann ist keine Balzzeit, die Männer sind nicht so voller Testosteron“, erklärt Alexander Zimmermann. Fang und Transport in der Balzzeit würden die mit Hormonen vollgepumpten „Männer“ vermutlich nicht überleben. Dass es den Deutschen gelang, gleich fünf Hähne zu überlisten, hat selbst Eric Ringaby, den Auerhuhn-Experten in Schweden und längst freundschaftlich  verbundenen Projektpartner überrascht. „Hähne zu fangen, ist eine Kunst“, hat er der Naturpark-Crew immer wieder gesagt und vor allem eins gefordert: Ausdauer. Inzwischen sucht er für die Crew aus Südbrandenburg die besten Fanggebiete aus und stellt die Kontakte zu den dortigen Forstbetrieben her. „Er ist für uns der Türöffner. Was er bewegt, kann keine Anfrage per Brief oder E-Mail ersetzen“, sagt Lars Thielemann.

Das im Jahr 2011 begonnene Projekt zur Wiederansiedlung des Auerhuhns ist auf dem Weg, ein Erfolg zu werden. Es ist übrigens das einzige in Deutschland, bei dem Auerhühner anderswo gefangen werden; die übrigen setzen auf Aufzuchtstationen vor Ort. „Wir gehen jetzt von 60 bis 80 etablierten Tieren aus“, sagt Projektleiter Alexander Zimmermann und warnt sofort vor Euphorie: „Wir stehen immer noch am Anfang.“ Dabei sind die Zeichen wirklich ermutigend. Inzwischen gibt es nachgewiesen 21 echte Brandenburger Auerhühner, neun Hähne und zwölf Hennen. Das sind Tiere, die hier in erster und zweiter Generation geschlüpft sind.

Das gesamte, inzwischen europaweit beäugte Auerhuhn-Projekt wird wissenschaftlich begleitet. „Wir haben jetzt bereits 137 Federproben in den Schutzgebieten sammeln können“, sagt der Projektchef. „Und wir bekommen immer mehr Meldungen über Tier-Sichtungen.“

Die Federn werden nun ins Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin geschafft, wo sie mit den entnommenen Genproben der in die Freiheit entlassen Tiere verglichen werden.

Und schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die nächste Frühjahrsfangaktion. Dann müssen sich die „Damen“ wieder vor den Kescher schwingenden Herren in Acht nehmen.

Hinweise zu Tier-Sichtungen bitte unbedingt dem Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft geben. Am besten geht das  über die Internetseite www.naturpark-nlh.de unter dem Stichwort Auerhuhn-Projekt.