Aber diese beiden Stunden reichten dem jungen britischen Außenminister am Dienstag, um bei der neuen US-Kollegin der Erste zu sein. Zwei Wochen nach dem Machtwechsel im Weißen Haus hat Hillary Clinton damit begonnen, die Chefdiplomaten der anderen wichtigen Industrienationen bei sich in Washington persönlich zu begrüßen. Nach Miliband war Frank-Walter Steinmeier auf dem Terminplan. Und bekam dann immerhin zwei Stunden Zeit. Gute Bekannte seit Jahren Der SPD-Kanzlerkandidat kennt die neue Chefin des State Department nicht nur aus der Zeit, als er selbst noch Kanzleramtschef und sie die amerikanische First Lady war. Auch danach sind sich die beiden begegnet, etwa 2008 bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Clinton und Steinmeier nennen sich beim Vornamen: "Liebe Hillary" und "Dear Frank". Viel heißen will das nicht. In den USA sind solche Vertraulichkeiten schon vom ersten Kennenlernen an üblich. Auch mit Vorgängerin Condoleezza "Condy" Rice pflegte Steinmeier einen ordentlichen Umgang. Trotzdem ist dem deutschen Außenminister seit Wochen deutlich anzumerken, wie er sich nicht nur auf den neuen Präsidenten Barack Obama, sondern auch auf die neue Kollegin freut. Clinton lobte dann auch zurück. Deutschland sei einer der "engsten Partner". Die USA bräuchten die Unterstützung der Bundesrepublik, um die "großen Herausforderungen" gemeinsam zu meistern, sagte die neue Außenministerin weiter. Auf konkrete Anforderungen legte sie sich noch nicht fest. Groß ist die Hoffnung, nach acht Jahren George W. Bush nun wieder an die Zeit der Clinton-Jahre anknüpfen zu können. "Vieles wird einfacher, anders und besser werden", meint Steinmeier. Der Vizekanzler überhäuft die Amerikaner geradezu mit Angeboten der Zusammenarbeit - bei der Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo, gegen den Klimawandel, für weitere Abrüstung. Kanzlerin zurückhaltend Die Bundeskanzlerin ist deutlich zurückhaltender, was die Bewertung der neuen US-Regierung angeht. Im allgemeinen Jubel über Obamas Wahlsieg gehörte Angela Merkel zu den verhalteneren Stimmen.Bei der Sicherheitskonferenz am Wochenende in München hat sie Gelegenheit für ein erstes Gespräch mit dem neuen US-Vize Joe Biden. Nächsten Monat wird sich Merkel dann selbst auf den Weg nach Washington machen. Aber bei aller Hoffnung: Auch Steinmeier ist zu erfahren im politischen Geschäft, um sich über das künftige Verhältnis zu den USA Illusionen zu machen. "Mir liegt daran, dass wir ohne naive Euphorie diese Chance richtig bewerten. Natürlich wird es Reibungen geben. Es kann nicht jeden Tag Honeymoon sein." Aber vielleicht ist es gar nicht so unklug, dann wenigstens den ersten Tag der "Flitterwochen" richtig zu genießen.