| 02:38 Uhr

Auch bei der CSU kann es nur einen geben

Rangeln um ihren Platz: Alexander Dobrindt (l.), Gerd Müller (r.) und Christian Schmidt.
Rangeln um ihren Platz: Alexander Dobrindt (l.), Gerd Müller (r.) und Christian Schmidt. FOTO: dpa
Berlin. Noch ist nicht entschieden, ob CDU und CSU mit einem gemeinsamen Programm zur Bundestagswahl antreten. Auch ist nicht ausgemacht, dass es für die Union (mit einem Partner) reicht. Die amtierenden christsozialen Minister rangeln dennoch schon um ihre Posten. Hagen Strauß

Für die CSU sitzen an Angela Merkels Kabinettstisch drei Minister. Christian Schmidt, zuständig für Ernährung und Landwirtschaft, will nach der Bundestagswahl im Amt bleiben. Ebenso Gerd Müller, Minister für Entwicklung. Beide haben das schon deutlich gemacht. Nur Alexander Dobrindt, verantwortlich für Verkehr, hat in den vergangenen Wochen seine Ambitionen eher im Dunkeln gelassen. Er weiß, warum. Denn es kann nur einen geben, der bleibt. Wenn überhaupt.

Alle drei CSU-Minister haben dasselbe Problem: Es heißt Horst Seehofer. Seit der CSU-Chef verkündet hat, künftig nur noch mit der "besten Formation" in Berlin auftreten zu wollen und möglichst auch mit dem Parteichef am Kabinettstisch, schwinden die Hoffnungen, weiter im Amt zu verbleiben. Zumal Seehofer nach der Bundestagswahl offensichtlich gerne das Innenressort mit einem Christsozialen besetzen würde.

Und sollte an einer Koalition aus CDU, CSU und zwei anderen Parteien kein Weg vorbeiführen, könnten die Bayern wohl nur auf zwei Ressorts hoffen. Aus der Traum für Schmidt oder Müller oder Dobrindt. Der Konkurrenzkampf unter den drei Bayern ist jedenfalls eröffnet. Das belegen die vergangenen Wochen.

Schmidt läutete das Rennen ein um den Verbleib in einer möglichen nächsten Bundesregierung unter Unionsführung. Der 59-Jährige startete mit einem Interview über das Verbot von veganer Wurst, dann stellte er sein "Grünbuch" zur Zukunft der Ernährung vor und schließlich eine große Studie über die Essgewohnheiten der Deutschen. Alles geschickt platziert in die nachrichtenarme Zeit zum Jahreswechsel.

Schmidt vorn dabei
Und diese Woche wird der Franke auf der ganz großen Bühne stehen, denn am Donnerstag beginnt in Berlin die Grüne Woche, die weltweit größte Agrarmesse. Wenn man es
pfiffig anstellt, kann man als Politiker seinen Bekanntheitsgrad rapide steigern. Schmidt hat sich jedenfalls vorgenommen, endlich eine Lösung gegen das Kükenschreddern und seine Pläne für ein Tierwohl-Label vorzustellen, mit dem die Verbraucher auf Lebensmitteln erkennen sollen, wie die Haltungsbedingungen der Tiere gewesen sind. Laut Umfrage wünschen sich rund 80 Prozent der Deutschen solche Infos. Mit Volkes Stimme im Rücken wird sich der Minister in Szene setzen. Auch wenn dem gelernten Verteidigungspolitiker das häufig schwerfällt.

Nicht weniger umtriebig war in letzter Zeit Entwicklungshilfeminister Gerd Müller. Die meisten Deutschen verbinden mit seinem Namen immer noch den des "Bombers der Nation", des Fußballers Gerd Müller. Doch zum Jahresanfang absolvierte der Politiker Müller einen kleinen Interview-Marathon - und dann gelang ihm noch ein Coup, der ihn an die erste Stelle der Fernsehnachrichten brachte: Müller forderte bei der CSU-Klausur in Kloster Seeon, die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge rückwirkend nochmal zu überprüfen. Der 61-Jährige sprach es in jede Kamera und löste damit sogar eine Debatte aus, was ihm ansonsten qua Amt selten gelingt.

Wenig später widersprach er dann auch noch der Idee, den Maghreb-Staaten das Geld zu kürzen, wenn sie abgelehnte Asylbewerber nicht zurücknehmen. Müller - fast schon ein echter Querulant. Morgen legt der frühere Agrarfachmann nun noch seinen mehrfach angekündigten "Marshall-Plan für Afrika" vor. Wieder so ein schlagzeilenträchtiger Aufschlag.

Dobrindt hält sich zurück

Der dritte im Bunde, Alexander Dobrindt, macht sich freilich rar. Spötter sagen, weil er genug mit der vermaledeiten Maut und dem Abgas-Skandal um die Ohren hat. Von Dobrindt weiß man nicht so genau, ob er tatsächlich noch einmal Verkehrsminister werden möchte. Es heißt, er schiele nach der Bundestagswahl eher auf den Landesgruppenvorsitz, eines der mächtigsten CSU-Ämter in Berlin, weil man dort stark tagespolitisch im Einsatz ist. Was dem forschen und streitbaren Dobrindt deutlich mehr liegt. Das erklärt, warum sich der 46-Jährige Ex-CSU-Generalsekretär so zurückhält - er hat erstens keine Gewinnerthemen und zweitens womöglich andere Pläne.