Nach rund zwei Stunden beendeten die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und EU-Chefdiplomat Javier Solana gestern in Wien ihren jüngsten Versuch, den Atomstreit mit dem Iran auf diplomatischem Wege zu beenden. Am Ende stellten sich die Unterhändler - der iranische Verhandlungspartner Ali Laridschani in ihrer Mitte - freundlich lächelnd etwa 30 Sekunden den zahlreichen Fotografen. Der Iran sei nicht bereit gewesen, auf die umstrittene Anreicherung von Uran zu verzichten, erklärten die Europäer. Hochangereichertes Uran aber kann zum Bau von Atombomben missbraucht werden. Und das will der Westen verhindern.
Das Scheitern des auf Bitten Teherans einberufenen Wiener Treffens überraschte niemanden. Noch vor wenigen Tagen hatte man in Teheran lautstark verkündet, es sei sinnlos, mit der EU zu verhandeln. Doch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und seine Kollegen machten auch deutlich, dass jetzt der Iran am Zuge sei: "Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft des Iran, alle Aktivitäten zur Urananreicherung zu suspendieren." Dazu aber scheint die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht bereit.
Die Konsequenzen für Teheran zeichnen sich bereits ab: In der kommenden Woche wird sich der Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEO zum wiederholten Mal mit der iranischen Atompolitik befassen; und mit dem "Sündenregister", das IAEO-Chef Mohammed el Baradei in seinem jüngsten Report an das 35-Länder Führungsgremium der Behörde zusammengefasst hat. "Schon in einigen Tagen", so warnte Frankreichs Außenminister Philippe Douste-Blazy den Iran nach dem jüngsten Gespräch, "wird der Sicherheitsrat den Bericht el Baradeis prüfen". Teheran sieht darin das Ende der Diplomatie.
El Baradeis elfseitiger Bericht macht die Versäumnisse der iranischen Politik überdeutlich. Zwar hat sich die Regierung in den vergangenen Jahren gegenüber den IAEO-Inspekteuren bei der Aufklärung der 18 Jahre lang geheimen iranischen Atomforschung kooperativ gezeigt. Bis Februar ließ Teheran im Rahmen des unter EU-Druck unterzeichneten "Zusatzprotokolls" zum Sicherheitsabkommen mit der IAEO unangemeldete Kontrollen seiner Atomanlagen zu. Doch die eher zögerliche Zusammenarbeit der Iraner sei zu wenig, meint el Baradei. Es sei "bedauerlich" und Anlass zu Besorgnis, dass man auch nach drei Jahren intensiver Suche noch nicht wisse, ob das Atomprogramm des Iran "friedlich" sei.
Als Beweis für seine stets beschworenen friedlichen Absichten hatte der Gouverneursrat im Februar eine Reihe von Forderungen an Teheran gerichtet. Darunter war ein vollständiger Anreicherungsstopp, der Verzicht auf den Bau eines Schwerwasserreaktors bei Arak (der Plutonium zum Bombenbau produzieren würde), völlige Offenheit bei der Spurensuche der IAEO im Atomprogramm. Keine dieser Forderungen wurden bisher erfüllt. Vor allem die USA drängen, der Sicherheitsrat möge sich endlich des Falles annehmen.
Ob das Eingreifen des Sicherheitsrats dies allerdings letztlich verhindern kann, wird von Experten bezweifelt. Iran, so die Einschätzung russischer Fachleute, werde bereits in den nächsten fünf Jahren eine eigene Atombombe bauen können. Die Welt müsse sich eben darauf einstellen, mit der neuen Atommacht Iran zu leben, erklärte der Kreml-nahe Rat für Außen- und Verteidigungspolitik gestern in Moskau.