Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Athleten erstmals erlaubt, ein auf der Webseite geführtes, einsehbares Tagebuch oder Journal zu veröffentlichen. Das bedeutet eine gewisse Lockerung der strengen IOC-Regel 49, die jede journalistische Tätigkeit verbietet. Sie ermöglicht auch Meinungsäußerungen zu Menschenrechtsfragen. Zugleich sind die im vergangenen Jahr von der Exekutive erlassenen Blog-Regeln so eng gefasst, dass eines verhindert werden soll: Das olympische Dorf in eine „Big- Brother-Show“ zu verwandeln.

Sanfter Tadel in Barcelona
Es waren die bei den Spielen in Barcelona 1992 erstmals zugelassenen amerikanischen Basketball-Stars um Michael Jorden, Magic Johnson und Larry Bird, die bei der Eröffnungsveranstaltung mit Handys am Ohr ihre Eindrücke in Richtung USA übermittelten. Das war ein Sakrileg, laut olympischer Charta hätte es mit einem Ausschluss bestraft werden können. Der damalige IOC-Boss Juan Antonio Samaranch vermied einen Skandal und beließ es bei einem sanften Tadel. Die Regel 49 ist geblieben, doch dramatisch verändert hat sich die mediale Umwelt.
Als bei den Winterspielen in Turin 2006 zahlreiche Athleten das Internet widerrechtlich nutzten, ihre Eindrücke mitzuteilen, sah das IOC sich gefordert, eine Flut nicht zum Dammbruch werden zu lassen. Gedrängt von der Athletenkommission und unter Mitarbeit der Medienkommission verabschiedete die olympische Regierung 13 Richtlinien.

Zwei Interessen
Sie sollen das olympische Bloggen kanalisieren und dadurch vor allem zwei Interessen gerecht werden: Ein modernes Medium mit einzubeziehen, das vor allem von jungen Menschen genutzt wird und wie kaum ein zweites der Universalität Olympischer Spiele entspricht, aber auch Bericht erstattungsrechte zu schützen, für die Sponsoren viel Geld ausgegeben haben.
Unter den neuen Richtlinien dürfen Athleten acht Tage vor Beginn der Spiele und bis drei Tage nach der Schlussfeier bloggen. Grundsätzlich müsse Bloggen als eine „legitime Form des Ausdrucks persönlicher Eindrücke“ gehandhabt werden und „nicht als eine Form von Journalismus“. Dazu gibt es viele Einschränkungen. Interviews mit einem Akkreditierten sind ebenso untersagt wie eine Story über ihn. Verboten sind Töne, laufende Bilder oder Fotografien aus jenen Bereichen, die nur für Akkreditierte zugänglich sind. Ein persönliches Foto ist nur gestattet, wenn es nicht im Zusammenhang mit einem olympischen Wettkampf, einer Eröffnungs- und Schlussfeier oder einer Medaillenzeremonie steht.