Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen gehen die Ermittler von Brandstiftung aus. Ein Spürhund entdeckte Spuren von Brandbeschleuniger im Gebäude, wie Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz, am Sonntagnachmittag mitteilte.

Bei dem Brand in der Nacht zum Sonntag hatten Schaulustige Beifall geklatscht und sich abfällig geäußert, sinngemäß zum Beispiel mit dem Spruch "Bloß gut, dann ziehen hier keine Asylbewerber ein", wie Knaup der RUNDSCHAU sagte. Die Polizei erteilte drei Männern Platzverweise und nahm zwei betrunkene 20-Jährige zeitweise in Gewahrsam. Sie hätten die Feuerwehr behindert. Gegen sie läuft ein Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Im März sollten bis zu 300 Asylbewerber in das Gebäude einziehen. Das Haus sei für diesen Zweck vorerst unbrauchbar, sagte André Wucht, Sprecher von Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos). Wucht nannte das Verhalten der Schaulustigen widerlich. Ähnlich äußerten sich Sachsens Innenminister Markus Ulbig und Ministerpräsident Stanislaw Tillich (beide CDU) - auch mit Blick auf Clausnitz (Osterzgebirge), wo eine Menschenmenge einen Bus mit Flüchtlingen blockiert hatte.

Sachsens SPD-Generalsekreätärin Daniela Kolbe sagte: "Ich erwarte, dass Sachsens Polizei Hassern und Rassisten Einhalt gebietet." Die Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke) forderte von Sachsens Landesregierung "ein konsequentes Stopp-Zeichen gegen rechte Gewalt".

In Brandenburg protestierten am Samstag 200 Teilnehmer einer Kundgebung der Bürgerinitiative "Zukunft Heimat" in Lübben gegen die Flüchtlingspolitik. In Nauen (Havelland) tauchten laut Polizei in acht privaten Briefkästen Zettel mit fremdenfeindlichen Äußerungen und Bombenbau-Anleitung auf.

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