Kriege und Gewalt lassen die Zahl der Asylbewerber auf ein lange nicht mehr gekanntes Ausmaß steigen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zählte im vergangenen Jahr in den Industrieländern 866 000 Asylbewerber, ein Plus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zuletzt hatten zu Beginn des Krieges in Bosnien und Herzegowina 1992 ähnlich viele Menschen Schutz in den 44 ausgewerteten Industrieländern gesucht.

Deutschland war im vergangenen Jahr das bevorzugte Ziel. 173 000 Menschen stellten laut UNHCR-Angaben vom Donnerstag einen Asylantrag in der Bundesrepublik. Die meisten Asylbewerber stammten aus Syrien und dem Irak.

"In den 1990er-Jahren hatten die Balkankriege Hunderttausende von Flüchtlingen und Asylbewerbern zur Folge", sagte UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. So großzügig wie damals müsse angesichts des Leids speziell in Syrien auch heute reagiert werden. Es gehe nicht nur um die Gewährung von Asyl, sondern auch um Hilfen zur Wiederansiedlung und andere Formen des Schutzes für die Flüchtlinge.

Neben Deutschland gehören in Europa auch Länder wie die Türkei, Schweden und Italien zu den Zielgebieten. Jeder fünfte Asylbewerber in den Industrienationen (150 000) kam laut UNHCR aus Syrien. Als zweitgrößte Gruppe folgen die Iraker mit 69 000 - doppelt so viele wie 2013. Auch 60 000 Menschen aus Afghanistan baten um Asyl, gefolgt von Menschen aus Serbien, dem Kosovo und Eritrea.

Wegen des Ukraine-Konflikts hat sich die Zahl der Asylbewerber aus der Ukraine binnen Jahresfrist von 1400 auf fast 16 000 mehr als verzehnfacht. In den USA stellten 121 000 Menschen einen Asylantrag. Hier kamen die meisten Schutzsuchenden aus Mexiko und Mittelamerika.