Die Behörden in München haben den einwöchigen Hungerstreik von Asylbewerbern beendet und mit der Räumung ihres Camps eine drohende Katastrophe verhindert. Alle 44 Asylbewerber - darunter drei Kinder - wurden am Sonntagmorgen in Krankenhäuser gebracht.

Der Anführer der Aktion, der als politischer Flüchtling anerkannte Iraner Ashkan Khorasani, wurde festgenommen, weil er Ärzten die Behandlung der schon stark geschwächten Flüchtlinge verwehrt haben soll. Die Entscheidung zur Räumung trafen Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wegen akuter Lebensgefahr für die Hungerstreikenden.

Ein Mensch habe bereits wiederbelebt werden müssen, mehrere Personen hätten schon im Koma gelegen, berichtete Ude. Der Anführer der Aktion aber habe Ärzten die Behandlung verwehrt und erklärt, "wenn es Tote gibt - womit auch er gerechnet hat -, dann ist eben die Politik in Deutschland daran schuld". Das weitere Vorgehen gegen Khorasani prüfe jetzt die Staatsanwaltschaft, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Auch zwölf Unterstützer aus dem linksautonomen Spektrum, die Notarztwagen blockiert, Widerstand geleistet oder Polizisten bei der Räumung gegen 5 Uhr morgens beleidigt haben sollen, wurden vorläufig festgenommen.

Vor der Räumung war ein Vermittlungsversuch des früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel (SPD) und des ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU) am Samstagabend gescheitert. Khorasani habe nur "volles Asylrecht für alle" gefordert und jede Verhandlung kategorisch abgelehnt, sagte Ude. Deshalb sei er jetzt sehr froh über den Ausgang. "Es ging ausschließlich um die Rettung von Menschenleben."

Heftiger Widerspruch kam von den bayerischen Grünen. Ihre Fraktionsvorsitzende Margarete Bause sagte: "Eine Lösung auf dem Verhandlungsweg wäre möglich gewesen." Ude warf Khorasani vor, er sei "nicht Sprachrohr für Menschen in Verzweiflung", sondern alleiniger Führer einer Aktion mit "sehr eigentümlichem politischen Anspruch" gewesen. Er habe das Leben anderer Menschen eingesetzt, um politische Ziele zu erreichen.

D ie Asylbewerber aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern waren im Anschluss an eine Demonstration seit einer Woche im Hungerstreik und weigerten sich seit Dienstag auch zu trinke n.