Es komme vor allem darauf an, ob der Bergwerkstollen mithilfe technischer Baumaßnahmen über das Jahr 2015 hinaus gesichert werden könne. Dies sei "die Voraussetzung dafür, dass der Atommüll aus dem Schacht geborgen werden kann", sagte Gabriel. Möglicherweise würden die knapp 126 000 Fässer aber auch in dem ehemaligen Salzbergwerk verbleiben. Die Gesamtkosten für die Sicherung der Anlage bezifferte Gabriel auf einige Hundert Millionen Euro. Es gebe auch Schätzungen bis zu 1,5 Milliarden Euro. Durch eine Rückholung des Atommülls dürften weitere Kosten in Milliardenhöhe entstehen.
Aus Sicht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) ist eine seriöse Einschätzung der Gefahren für Mensch und Umwelt derzeit noch unmöglich. "Wir kennen die Schwächen des Bergwerks und in etwa die möglichen Risiken", sagte BfS-Präsident Wolfram König. "Wirklich einschätzen können wir die Gefahren aber erst, wenn wir Betreiber des Bergwerks sind." Nach den Pannen soll das BfS den Betrieb der Asse übernehmen.
Im Salzbergwerk Asse lagern etwa 126 000 Fässer mit schwach und mittelstark strahlendem Müll. Sie wurden zwischen 1967 und 1978 eingelagert. Seit Jahren dringt Wasser in das Bergwerk bei Wolfsburg ein. Zudem gibt es in Asse radioaktiv kontaminierte Lauge. Experten gingen bisher davon aus, dass das Bergwerk für abschließende Arbeiten nur noch bis 2014 sicher sei.
Nach dem Willen der Grünen im Bundestag sollen die Pannen in der Asse auch im Bundestag zur Sprache kommen. Die Grünen hätten eine Sondersitzung der Ausschüsse für Umwelt und für Forschung in der kommenden Woche beantragt, sagte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Und dann wollen wir parlamentarische Aufklärung. Jahrelang wurde uns das Blaue vom Himmel erzählt. Scheinbar gab es aber nichts als Schlamperei", kritisierte sie.
Unterdessen teilte das niedersächsische Umweltministerium mit, dass die internen Informationspannen ohne disziplinarische Folgen bleiben. Nach einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hätte das Ministerium schon vor zweieinhalb Jahren über die radioaktiv verseuchte Lauge informiert sein können, der zuständige Mitarbeiter übersah jedoch entsprechende Hinweise in einer Dokumentation. "Man hätte nachfragen müssen, das ist aber nicht passiert", räumte eine Sprecherin ein. (dpa/roe)