Julian Assange hat wieder verloren. Der High Court in London bestätigte am Mittwoch eine Entscheidung der Vorinstanz, die die Auslieferung des Wikileaks-Gründers an Schweden erlaubte. Das Gericht wies die Argumentation der Verteidigung zurück, eine Auslieferung sei „ungerecht und ungesetzlich“. Assange kann nun binnen zwei Wochen eine neue Berufung vor dem Supreme Court beantragen.

„Wir werden in den kommenden Tagen über unsere weiteren Schritte nachdenken“, sagte Assange nach dem Urteil. Schwedens Justiz will Assange zu Vorwürfen der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigung vernehmen. Er soll im August 2010 mit zwei Schwedinnen ohne deren Einwilligung ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt haben. Assange bestreitet dies und sieht in den Vorwürfen ein politisches Komplott.

Wikileaks hatte unter anderem durch die Veröffentlichung vertraulicher US-Depeschen den Zorn Washingtons auf sich gezogen.

Die Anwälte des Wikileaks-Gründers hatten geltend gemacht, dass der Haftbefehl aus Schweden ungültig sei, da er von der Staatsanwaltschaft und nicht von einem Gericht erlassen worden sei. Außerdem hatten sie argumentiert, dass die Verbrechen, die Assange in Schweden vorgeworfen werden, unter britischem Recht keine solchen Delikte seien. Drittens hatten sie vorgebracht, dass ein Haftbefehl deshalb unnötig sei, weil Assange nur befragt werden solle und nicht angeklagt sei. Schließlich hatten sie den Haftbefehl als unverhältnismäßig eingestuft, da Assange seine Befragung via Videokonferenz angeboten habe.

Die beiden zuständigen Richter wiesen alle vier Punkte zurück. Assange nahm das Urteil ungerührt zur Kenntnis und machte sich währenddessen Notizen. Ein vorinstanzliches Gericht hatte Assanges Auslieferung im Februar dieses Jahres angeordnet, der Australier hatte Berufung eingelegt. Nun hat er 14 Tage Zeit, um ein weiteres Berufungsverfahren vor dem Supreme Court zu beantragen. Über dessen Zulassung muss aber entweder der Supreme Court oder der High Court entscheiden. Nach britischem Recht ist eine neuerliche Berufung nur möglich, wenn an einem Fall ein besonderes öffentliches Interesse besteht.

Assanges Umfeld fürchtet, dass der 40-Jährige von Schweden aus an die USA ausgeliefert werden könnte. „Jetzt ist die Auslieferung von Julian an die USA noch nähergerückt“, sagte seine Mutter Christine Assange der australischen Nachrichtenagentur AAP. Dort werde er „gefoltert“ werden, sagte sie und forderte das australische Volk auf, Druck auf die Regierung auszuüben. Die Australier müssten für Assange eintreten, da auch er sich „für die Welt eingesetzt hat, um die Wahrheit ans Licht zu bringen“.

Die beiden Frauen, die Assange Vergewaltigung und sexuelle Belästigung vorwerfen, reagierten nach Angaben ihres Anwalts hingegen mit Erleichterung auf das Urteil. „Sie sind gewissermaßen erleichtert“, sagte Claes Borgström der schwedischen Nachrichtenagentur TT. Es sei schwer für die beiden Frauen gewesen, „mit dieser Unsicherheit zu leben“. Ihm zufolge wurden die mutmaßlichen Opfer auch in Internetnetzwerken verbal angegriffen. Assanges schwedischer Anwalt Björn Hurtig sagte TT, die Entscheidung des Gerichts habe ihn nicht überrascht. „Das kam nicht unerwartet, aber es waren natürlich schlechte Neuigkeiten für Assange.“