Herr Junhold, die zwei Jahren ihrer Waza-Präsidentschaft sind um. Wie viele Zoos haben Sie in der Zeit bereist?
Ich habe es gar nicht gezählt, wie viele Reisen ich gemacht habe. Aber ich schätze, dass ich ein Drittel meiner Zeit im Ausland unterwegs war. Ich habe alle Kontinente besucht außer der Antarktis. Insgesamt sind auf meiner Liste fast 200 Zoos, die ich in meinem Leben schon gesehen habe.

Wie fällt Ihre Bilanz nach zwei Jahren Waza-Präsidentschaft aus?

Ich bin insgesamt sehr zufrieden, weil wir einiges erreicht haben. Wir haben wichtige Strukturen geschaffen für ein besseres globales Populationsmanagement. Wir werden zur Biodiversität eine weltweite Kampagne starten mit Werbefilmen und App.

Außerdem haben wir beschlossen, eine Welt-Tierschutz-Strategie auf den Weg zu bringen. Es ist gelungen, die Zahl der Waza-Mitglieder zu erhöhen von 308 auf jetzt 334 Mitglieder, die 1300 Zoos repräsentieren. Schließlich ist auch die Kommunikation der Waza nach außen gestärkt worden.

Stichwort weltweites Tiermanagement - was ist denn so schwierig daran, das weltumspannend aufzuziehen?
Die Gesetzgebung. Es gibt die unterschiedlichsten Bestimmungen, wie mit geschützten Arten über internationale Grenzen hinweg Tiere transportiert und ausgetauscht werden können.

Es gibt die unterschiedlichsten Veterinärbestimmungen. Da hat sich einiges bewegt in den letzten Jahren. Zumindest hier in Europa soll das Leben einfacher werden. Wir haben es außerdem mit dem Washingtoner Artenschutzabkommen zu tun. Dazu kommen unterschiedliche Strategien und Kulturen auf den Kontinenten - aber das wächst gerade zusammen.

Aber so ein weltweiter Austausch ist für den Erhalt der Arten unabdingbar?
Wir reden meistens über kleine Populationen von Tieren; und die genetisch variabel zu halten, ist das Ziel. Dazu ist es notwendig, dass wir nicht nur national und europäisch zusammenarbeiten, sondern bei vielen Arten auch interkontinental.

Wie viele weltweite Artenschutzprogramme gibt es denn bisher weltweit?
Es gibt mittlerweile zehn, da gehört zum Beispiel der Amur-Tiger dazu. Ein Komitee kümmert sich darum, dass diese Programme mehr werden und dass die Koordination mit dem globalen Blick zwischen den Regionen funktioniert.

Wie soll die vom Zoo-Verband geplante Welt-Tierschutz-Strategie aussehen?
Es ist eine Standortbestimmung der weltweit führenden Zoos, die Mitglied des Weltverbandes sind. Der Entwurf resultiert aus einer Entwicklung der vergangenen zehn, 20 Jahre, dass die Zoo-Gemeinschaft neben dem Artenschutz dem individuellen Tierschutz viel mehr Wert beimisst. Es geht also heute zum einen um die Population und deren Erhalt, zum anderen aber auch um eine gute Tierhaltung. Die Strategie wird auf globalem Level natürlich nichts vorschreiben können, aber wir werden darin ein gemeinsames Verständnis definieren, was wir erreichen wollen. Aber es gibt natürlich immer noch nationale Besonderheiten, nationale Gesetzgebungen. Wir in Deutschland haben da einen sehr hohen Standard, das ist in Südostasien ganz anders.

In Deutschland gib es die großen Städte mit den modernen großen Zoos, aber es gibt auch viele kleine Städte mit kleinen Tierparks - und Finanzsorgen. Sollte sich wirklich jede Kommune einen Tierpark leisten?
Jede Stadt, die einen Zoo hat, sollte entsprechende Finanzmittel dafür bereitstellen, so würde ich das mal umdrehen. Es gehört zur Verantwortung und zur Selbstverwaltung, dass, wenn ich mich für einen Zoo entscheide, ich diesen ordentlich zu betreiben habe.

Zoos sind in Deutschland meistens kommunal finanziert, und fast alle Kommunen haben Finanznöte. Könnte man dann nicht doch sagen: Okay, dann sparen wir uns den Zoo?
Ich denke, dass die Abstimmung mit den Füßen uns was anderes lehrt. Es gehen in Deutschland allein in die 60 großen Zoos 35 Millionen Besucher jährlich. Wenn ich die zwei anderen Verbände - Wildgehegeverband und Tierparkgesellschaft - noch dazu zähle, reden wir über 50 bis 60 Millionen Besucher. Das zeigt, dass Zoos beliebt sind wie noch nie. Die gesellschaftliche Relevanz ist da, die Themen Umweltschutz und Artenschutz spielen eine immer größere Rolle, die Zukunftsthemen - Erhalt der biologischen Vielfalt und Klimawandel - gewinnen an Bedeutung, sodass also nicht nur der reine Freizeitanspruch, sondern auch der inhaltliche Anspruch gegeben ist. Somit stellt sich aus meiner Sicht die Frage der Relevanz von Zoos nicht. Es bleibt jeder Kommune unbenommen, ihre Schwerpunkte zu setzen. Ich bin überzeugt, eine Welt ohne Zoos wäre eine ärmere Welt, weil sie vielen Menschen die Schönheit, Faszination und das Schutzbedürfnis der Tierwelt nicht nahebringen würde.

Mit Jörg Junhold sprach

Birgit Zimmermann