"Nicht nur die Zahl der Arbeitslosen steigt stetig im Freistaat, sondern auch die Zahl der Erwerbstätigen, die für sittenwidrige Niedrigstlöhne arbeiten und Sozialhilfe beziehen müssen", sagte der Sprecher des Gremiums, Ronald Blaschke, gestern in Dresden. Dort trafen sich 95 Vertreter von Kirchen und sozialen Einrichtungen zur Tagung "Armut in Sachsen". Blaschke forderte zudem einen umfassenden Armutsbericht.
Es sei kein Einzelfall, dass Floristen oder Menschen in der Gastronomie für zwei Euro Stundenlohn arbeiteten. "Sie sind dann voll erwerbstätig, müssen aber trotzdem zum Sozialamt", sagte Blaschke. So sei die Zahl solcher Fälle zwischen 1994 und 2001 von knapp 4000 auf 6600 gestiegen. "Auf 20 Arbeitslose kommt außerdem zur Zeit in Sachsen nur eine offene Stelle." Ein Drittel dieser Stellen lägen im Niedriglohnbereich.
Der Forderung nach einem Armutsbericht schlossen sich auch Diakonie und Caritas an. "Dieser steht seit Jahren aus", sagte Rotraud Kießling vom Diakonischen Werk Sachsen. "Wir brauchen landesweite, handfeste Bedarfszahlen, um endlich entsprechend handeln zu können." So meldeten sich in den Beratungsstellen der Diakonie immer mehr Menschen mit Wohnungsnot und hohen Schulden. "Wir brauchen zwar auch mehr Arbeit, darüber hinaus aber auch andere Konzepte." (dpa/bra)