Nach der Vernehmung verließen die Ermittlungsbeamten ohne Kommentar den Amtssitz, wie Scharons Sprecher sagte. Nach Angaben aus Polizeikreisen verzichtete der Ministerpräsident auf sein Recht, die Aussage zu verweigern und beantwortete die Fragen der Beamten.
Scharon war bereits Ende Oktober 2003 zehn Stunden lang zu dem Fall vernommen worden. Bisher hatte er sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt abgelehnt. Sollte gegen ihn jedoch Anklage erhoben werden, müsste er nach Einschätzung israelischer Strafrechtler zurücktreten. Die Entscheidung über eine Anklage trifft der Generalstaatsanwalt Menachem Masus.
Der Geschäftsmann Appel war im Januar angeklagt worden, Scharon über dessen Sohn Gilad bestochen zu haben. Laut Anklage zahlte Appel 100 000 Dollar an Gilad sowie weitere 590 000 Dollar zu Gunsten von Scharons Ranch im Süden Israels. Als Gegenleistung sollte sich der damalige Außenminister Scharon 1998 für ein Bauprojekt auf einer griechischen Insel einsetzen, für das Appel die Genehmigung der Behörden in Athen benötigte.
Scharon steht im Verdacht, Appel mit griechischen Vertretern zusammengebracht zu haben. Offenbar versuchte Appel auch, den damaligen Jerusalemer Bürgermeister Ehud Olmert zu bestechen. Das Bauprojekt kam letztlich nicht zu Stande.
Die Anklage Appels hatte den Druck auf Scharon, der auch noch wegen einer weiteren Korruptionsaffäre unter Beschuss ist, deutlich erhöht. In der israelischen Presse wurde die Vermutung geäußert, mit seinen in den vergangenen Tagen veröffentlichten spektakulären Plänen in der Siedlungspolitik wolle der Regierungschef von den Affären ablenken. Der zweite Korruptionsvorwurf gegen Scharon bezieht sich auf Zahlungen des mit ihm befreundeten südafrikanischen Geschäftsmanns Cyril Kern, mit denen illegale Spenden für Scharons Kampagne um den Vorsitz der rechtsgerichteten Likud-Partei aus dem Jahr 1999 zurückgezahlt werden sollten.
Der Regierungschef hatte Anfang der Woche erklärt, er wolle die meisten jüdischen Siedlungen im Gazastreifen räumen, was ihm heftige Proteste der Siedlerverbände, aber auch innerhalb seiner eigenen Regierungskoalition eintrug. Die USA mahnten Scharon, er solle sich an die Vorgaben des internationalen Friedensplans von Uno, USA, EU und Russland halten. Scharon will noch im Februar nach Washington reisen, um US-Präsident George W. Bush über seine Pläne zu informieren. Sein Vize Olmert wollte bereits gestern in Washington US-Außenminister Colin Powell die Pläne zur Siedlungsräumung erläutern. (AFP/uk)

In kürze Scharon will Referendum über Räumung von Gazastreifen
 Die Israelis müssen möglicherweise in einem Referendum über die Räumung jüdischer Siedlungen im Gazastreifen entscheiden. Ministerpräsident Ariel Scharon kündigte in Jerusalem an, er sei bereit, sich in dieser Frage dem Votum seiner Landsleute zu stellen. Während die Mehrheit der Israelis einer Räumung laut Umfrage positiv gegenüberstehen, gibt es starken Widerstand in Scharons Likud-Partei und bei seinen rechtsgerichteten Koalitionspartnern.
Bundesaußenminister Joschka Fischer begrüßte den Plan. Er sagte, dies sei "ohne Zweifel ein Schritt in die richtige Richtung". Zugleich kritisierte er aber erneut den Bau der Sperranlange im Westjordanland. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich "fasziniert". "Ich halte das für eine positive Entwicklung", sagte er. Er hoffe, dass das Nahost-Quartett bei der Umsetzung des Plans mit Scharon zusammenarbeiten könne. Der Räumungsplan sei ein "erster entscheidender Schritt". (dpa)