So die einheitliche Meinung von Kommunalpolitikern aus der Region. „Was habe ich denn davon, wenn ich etwas Sand vom Senftenberger See bekomme, aber hier keinen Job“ , sagt Senftenbergs Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU). Er findet die Idee der Heimatschachteln einfach „affig“ . Kontakt zum Herkunftsort hielten die Abgewanderten ohnehin. „Es gibt ja per E-Mail Resonanz von abgewanderten Senftenbergern auf die Homepage der Stadt und an den Wochenende sieht man hier auch genug fremde Autokennzeichen“ , so Graßhoff.
Rainer Schamberg (parteilos), stellvertretender Bürgermeister in Lübbenau, setzt ebenfalls kaum Hoffnung in Aktionen, wie sie in Magdeburg gestartet wurden. „Wer weg geht, geht doch nicht, weil es ihm hier nicht gefällt.“ Kontaktpflege und Heimatpäckchen würden wenig ausrichten, solange die Jobs fehlen, so seine Überzeugung.
Mit symbolischen Aktionen hat Lübbenau Erfahrung. Nach einem Jahr wurde die Begrüßung jedes neugeborenen Kindes mit einem Brief vom Bürgermeister und einem Lätzchen mit Heimataufdruck wieder eingestellt. Die Resonanz darauf sei zu gering gewesen, so Schamberg. Lübbenau habe schon getan, was die Stadt jenseits der fehlenden Arbeitsplätze tun konnte, um attraktiv zu sein: „Es gibt genug Wohnungen, wer will bekommt einen Kitaplatz, der Stadtumbau kommt gut voran.“ Ähnlich sieht es in Senftenberg aus, einem der beiden Standorte der Fachhochschule Lausitz. Die Magdeburger Idee „Familienfreundliche Hochschule“ ist für die Stadt nichts Neues. „Studenten mit Kind können hier sofort eine Wohnung bekommen und natürlich auch einen Kindergartenplatz“ , versichert Bürgermeister Graßhoff.
Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) reagiert sogar gereizt auf das Magdeburger Projekt. „Wenn keiner Arbeit hierher bringt, wie soll ich denn dann die Leute halten? Wir in den ländlichen Gebieten sind doch verraten und verkauft.“ Jetzt sei es wenigstens gelungen, ein Callcenter nach Herzberg zu holen, das bringt 220 Jobs.
Im sächsischen Teil der Lausitz läuft bereits ein regionales Modellvorhaben, das sich der Herausforderung durch den Bevölkerungsrückgang widmet. Weißwasser und Hoyerswerda beteiligen sich daran. Die eine Kommune will sich dabei als „familienfreundlich“ , die andere als „seniorenfreundlich“ profilieren.
Nur Hartwig Rauh, parteiloser Oberbürgermeister von Weißwasser, bringt dem Magdeburger Modellversuch Wohlwollen entgegen: „Wenn nur drei oder vier Leute durch so eine Aktion zurückgeholt werden, ist das in Ordnung. Der Aufwand ist ja auch nicht so groß.“ Weißwasser hat 17 000 Einwohner verloren. Viele würden sicher zurückkommen, wenn sie hier Arbeit finden, sagt auch Rauh.
„Aus seiner Heimatstadt wegzugehen, macht man sich ja nicht leicht“ , sagt Stefan Skora (CDU), Bürgermeister in Hoyerswerda. Nur mit Heimatgefühl ohne Arbeitsplätze sei daran nichts zu ändern. In Hoyerswerda stelle sich inzwischen sogar schon die Frage, wie man die Eltern davon abhält, im Alter ihren abgewanderten Kindern hinterher zu ziehen.