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| 07:46 Uhr

Arbeitslosen-Nepp in der Region

Mit einer harmlosen Annonce im Stellenmarkt eines örtlichen Anzeigenblatts ködert eine Firma, die sich Phönix nennt, Job-Suchende in der Region. Doch eine Stelle zu vergeben hat diese Firma gar nicht. Sie hat nur eines im Sinn: Den Anrufern Geld aus der Tasche zu ziehen. Von Jürgen Becker


Die Anzeige klang vielversprechend. "Elf Euro die Stunde für Reinigungskräfte und Küchenhilfen bis 65 Jahre." Die arbeitslose Cottbuserin Vera L. (Name von der Redaktion geändert) griff deshalb zum Telefonhörer, wählte eine der beiden angegebenen Mobil-Rufnummern. "Da meldete sich ein Herr, der fragte, ob er gleich bei mir vorbeikommen dürfe", erzählt Vera L. "Dass der mich nicht zu einem Vorstellungsgespräch zu sich selbst eingeladen hat, darüber habe ich mir gar keinen Kopf gemacht."
Kurze Zeit später erschienen bei Vera L. zwei Männer. "Kräftig gebaut, weißes Hemd, dunkle Hose", wie Vera L. sagt. Der eine kam gleich zur Sache. "Er sprach plötzlich davon, dass ich einen Bewerberbogen ausfüllen müsse, um über eine Anzeige im Internet einen Job zu finden", erinnert sie sich. "Von der in dem Anzeigenblatt angebotenen Stelle war gar keine Rede mehr."
Stattdessen warben die Herren viel lieber wortreich für ein anderes Angebot. Die Firma Phönix stelle für Vera L. zwölf Monate lang ein Stellengesuch mit Foto ins Internet, pflege die Daten und bewerbe die Internetseite, erklärten sie. Die Erfolgsaussichten seien gut. Für diese "Dienste" berechne die Firma 468 Euro plus Mehrwertsteuer. 249 Euro müssten sofort beglichen werden.
Im Internet nichts zu finden
Vera L. zahlte. "Weil die mir vorgemacht hatten, dass ich dadurch sicherlich einen Job finden würde." Erst später, als sie das Auto der beiden Herren "mit Kennzeichen aus dem Elbe-Elster-Kreis", wie Vera L. sagt, davonbrausen sah, schwante ihr, dass sie einen Fehler gemacht haben könnte. Daraufhin durchforstete sie das Internet nach der Job-Börse der Firma Phönix – vergeblich.
Anderen erging es ähnlich. Die RUNDSCHAU machte sich deshalb auf die Suche. Die Spur der Firma Phönix führt in die Niederlande. In Winschoten hat sie eine Postbus-Adresse. Und dort hat auch ein Unternehmen seinen Sitz, das nach eigenen Angaben im Internet die Seite "gfm124.com" betreibt.
Auf dieser Seite seien die Stellengesuche der Kunden der Firma Phönix zu finden, erklärt ein Mann, der sich als Ralf Brinkmann und als stellvertretender Phönix-Geschäftsführer vorstellt, der RUNDSCHAU. Selbst eine große Internet-Suchmaschine wie "Google" muss, gibt man das Stichwort gfm124 ein, allerdings passen. Das deutet darauf hin, dass diese Job-Börse völlig unbedeutend und unbekannt ist.
Gut eine Handvoll Annoncen aus der Region sind unter gfm124.com nachzulesen. Aus Leipzig sind es 16, aus Dresden elf, aus Erfurt drei. Bei zwei Job-Gesuchen aus der Lausitz entpuppen sich die auf der Seite angegebenen Rufnummern aber als falsch. Zwei Cottbuserinnen, deren Stelleninserat dort platziert ist, erklären auf Anfrage unisono: "Uns hat noch nie ein Arbeitgeber angerufen."
Eine weitere Frau kann sich kaum noch daran erinnern, wie ihre Annonce auf diese Seite gelangt ist. Sie weiß nur noch, dass sie aufgrund einer Anzeige im Stellenmarkt eines Anzeigenblatts vor mehreren Monaten eine 0190er-Nummer angerufen hatte. "Da erklärte mir eine Dame, die schlecht Deutsch sprach, ganz
umständlich, dass sie die und die Information über mich braucht", erzählt sie. "Das Ganze hat mich dann mehr als 30 Euro gekostet."
Phönix-Mitarbeiter Brinkmann hält diese Art der Kundengewinnung dennoch für einwandfrei. "Wir schreiben in der Anzeige ja gar nicht, dass wir selbst Leute suchen", rechtfertigt er sich. "Wir sind keine Arbeitsvermittler, sondern nur ein Internet-Dienstleister." Und die Postbus-Adresse in den Niederlanden? "Das Fach wird jeden Tag geleert", sagt er. Und die Möglichkeit für Kunden, das Geschäft zu widerrufen? Nun ja, erklärt Brinkmann, Phönix sei ein rein niederländisches Unternehmen – und
nach niederländischem Recht gebe es kein Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften.
Die Cottbuser Verbraucherzentrale, bei der mehrere Beschwerden über die Firma Phönix eingegangen sind, warnt. "Die Leistung, die Phönix anbietet, ist viel zu teuer", sagt Verbraucherschützer Klaus Burkhardt. Er moniert: "Die Kunden erhalten zudem keine Widerrufsbelehrung, die Geschäftsbedingungen verstoßen in mehreren Punkten gegen deutsches Recht." Und da Phönix nur eine Postbus-Adresse in Holland angebe, sei "das Geld derjenigen, die eine Anzahlung geleistet haben, wohl
futsch. Da kann man nichts rückgängig machen."
Den Verlagen, die Anzeigen veröffentlichen, und den Verbraucherschützern sind die Hände gebunden. Verbraucherschützer Burkhardt verweist an das Arbeitsamt. Das habe Job-Angebote schließlich auf deren Seriosität zu überprüfen, sagt er.
Arbeitsamt hilft nicht
Doch das Cottbuser Arbeitsamt winkt ab. "Wir sind nur für die Stellen verantwortlich, die uns Arbeitgeber melden und die wir dann anbieten", erklärt Pressesprecher Roland Neumann. "Alles, was an uns über Kleinanzeigen vorbeiläuft, wird von uns grundsätzlich nicht geprüft."
Der Dumme ist letztlich der Arbeitslose. Er hat dem Arbeitsamt zwar nachzuweisen, dass er sich um eine neue Stelle bemüht hat. Wird er dabei aber abgezockt, bleibt er selbst auf den Kosten sitzen. "Bis zu einem gewissen Betrag zahlen wir die Bewerbungskosten", sagt Arbeitsamt-Pressesprecher Neumann. "Mehrere Hundert Euro für die Anforderung von näheren Informationen zu einem Stellenangebot zum Beispiel über eine 0190er-Nummer übernehmen wir aber nicht."

Tipp
Bei lr-online.de kostenlos Job-Gesuche aufgeben
Wer im Internet ein Stellengesuch aufgeben möchte, kann das kostenlos bei lr-online.de tun. Dazu müssen Sie auf der
LR-Online-Startseite auf die Anzeige www.stellenanzeigen.de klicken. Daraufhin erscheint das Karriereportal der RUNDSCHAU.
Dort gehen Sie auf "Stellengesuch eingeben" und füllen die Felder aus. Ihr Gesuch erscheint dann kostenlos sowohl in der
Online-Ausgabe der RUNDSCHAU als auch unter stellenanzeigen.de.