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Arbeit im Cottbuser Menschenrechtszentrum bis 2016 finanziell gesichert

Figuren von DDR-Häftlingen in einer rekonstruierten Gefängniszelle in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.
Figuren von DDR-Häftlingen in einer rekonstruierten Gefängniszelle in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus. FOTO: ZB
Cottbus. Im November 2014 feierte Brandenburg 25 Jahre Mauerfall im Menschenrechtszentrum Cottbus. Offen war damals, wie die Gedenkstätte weiter finanziert wird. Jetzt ist die Arbeit bis Ende 2016 abgesichert. Simone Wendler / sim

Mühsam Geld einsammeln für die eigene Arbeit, das ist die geschäftsführende Vorsitzende des Trägervereins Menschenrechtszentrum Cottbus, Sylvia Wähling, gewohnt. Im Herbst vorigen Jahres war die Lage der Gedenkstätte nach mehrjähriger Arbeit jedoch besonders bedrohlich. Der Bund wollte sich nicht weiter an der Finanzierung des ehemaligen Gefängnisses als Erinnerungs- und Bildungsort beteiligen.

Um so erfreulicher ist für Wähling nun ein Förderbescheid des Landes Brandenburg über 183 000 Euro für die Arbeit des Zentrums 2015 und 2016, den der Brandenburger Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) am Montag in Cottbus übergab. Denn gleichzeitig ist klar, auch der Bund unterstützt die Gedenkstätte in den zwei Jahren mit 230 000 Euro. Dazu kommen 50 000 Euro von der Stadt, rechnet Wähling vor, sodass das Menschenrechtszentrum für die zwei Jahre insgesamt fast eine halbe Million an Projektförderung bekommt.

"Damit können wir fünf Mitarbeiterstellen finanzieren", so Wähling. Auch ihre Arbeit werde nach viereinhalb Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit nun vergütet, so die Leiterin der Cottbuser Gedenkstätte.

280 000 Euro, rechnet Wähling vor, würden für dieses und das kommende Jahr vom Gedenkstättenverein aufgebracht. Damit würden die Betriebskosten gedeckt und zwei weitere Mitarbeiter finanziert: "Damit trägt der Verein noch immer die finanzielle Hauptlast der Gedenkstätte."

Doch die Finanzausstattung sei eigentlich noch zu knapp. "Wir brauchen dringend noch einen angestellten Buchhalter", sagt sie. Derzeit würde die Finanzverwaltung noch immer vom Schatzmeister des Trägervereins ehrenamtlich geleistet. Dabei bewirtschafte das Menschenrechtszentrum als Eigentümer ein Areal von 22 000 Quadratmetern.

Das Menschenrechtszentrum befindet sich auf einem ehemaligen Zuchthausareal, in dem schon zur Nazizeit politische Gefangene eingesperrt wurden. In der DDR entwickelte sich das Cottbuser Zuchthaus zur bedeutendsten politischen Haftanstalt nach Bautzen. Häufigste Haftgründe waren "versuchte Republikflucht", "staatsfeindliche Hetze" oder "unerlaubte Verbindungsaufnahme" zu bundesdeutschen Institutionen.

Auch nach 2016 werde das Menschenrechtszentrum auf finanzielle Hilfe angewiesen sein, sagt Wähling. Der Trägerverein, der überwiegend aus ehemaligen politischen Häftlingen besteht, will künftig auch bei Firmen noch stärker um Unterstützung werden. Deshalb hat Sylvia Wähling kürzlich auch den schwedischen Möbelkonzern Ikea angeschrieben.

Denn in den kommenden Jahren, so das nächste Projekt der Gedenkstättenleiterin, soll die "Pentacon-Halle" saniert und darin eine Ausstellung zum Thema Zwangsarbeit eingerichtet werden.

In der Halle hatten zu DDR-Zeiten Häftlinge Teile für Pentacon-Kameras produziert, die zu einem erheblichen Teil im Westen verkauft wurden.

Für Ikea sei in Cottbus zwar nicht gearbeitet worden, so Wähling, aber in anderen DDR-Gefängnissen. Deshalb hofft sie, dass der Möbelkonzern sich an der Finanzierung so eines Ausstellungsprojektes beteiligen könnte. Durch einige Studien sei das Thema Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen in den vergangenen Jahren in die Öffentlichkeit gerückt worden.

Zum Thema:
Das Cottbuser Zuchthaus wurde 1860 erbaut. In der Nazizeit war es Frauen- und Jugendhaftanstalt. Hier waren Widerstandskämpferinnen eingesperrt.Laut einer Studie waren zu DDR-Zeiten mehrheitlich politische Häftlinge in Cottbus untergebracht. Tausende wurden von hier aus durch die Bundesrepublik freigekauft.Nachdem das Gebäude als Haftanstalt nicht mehr genutzt wurde, gründeten ehemalige Häftlinge einen Trägerverein und kauften das Gelände, um einen Erinnerungs- und Bildungsort zu schaffen. Seit 2013 wird dort eine Dauerausstellung präsentiert. sim