Auch in einigen arabischen Hauptstädten war man wütend auf Präsident Baschar al-Assad, der sich in seiner viel beachteten Rede als großer Anführer des arabischen Widerstandes gegen Israel präsentiert hatte. "Die Raketen schwiegen, da tauchte plötzlich eine neue Rakete in Form des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad auf", erklärte die oppositionelle ägyptische Wafd-Partei.
Vor allem, dass Assad den arabischen Herrschern in Amman, Riad und Kairo in seiner Rede indirekt Feigheit vorgeworfen hatte, kam bei diesen gar nicht gut an. Dennoch hielt man sich mit offizieller Kritik an dem syrischen Staatschef zurück, um nach außen nicht schon wieder das Bild der zerstrittenen Araber zu präsentieren. "Kein Kommentar", hieß es auch bei der Arabischen Liga in Kairo, deren Außenminister sich am morgigen Sonntag mit der Lage im Libanon befassen wollen.
Doch es ist schon auffällig, dass die saudi-arabischen Zeitungen die Assad-Rede fast völlig ignorierten. Auch in den staatlichen ägyptischen Medien widmete man Assads großspuriger Rhetorik kaum eine Zeile. Die Kairoer Tageszeitung "Al-Gumhurija" warf Assad nur vor, er versuche sich jetzt, wo der Krieg vorbei ist, "mit dem Sieg eines anderen (der Hisbollah) zu schmücken."
Und die jordanische Zeitung "Al-Ghad" schrieb in einem unfreundlichen Leitartikel: "Jedermann weiß, dass die syrische Führung selbst keinen Widerstand geleistet hat, vergossen wurde nur das Blut der Libanesen." Assad spiele gegenüber der eigenen Bevölkerung und im Libanon den starken Mann, "Israel gegenüber ist das syrische Regime dagegen unterwürfig".
Und auch im Libanon selbst ist offensichtlich niemandem entgangen, dass der jetzt so wortgewaltige Assad in den Kriegstagen auf Tauchstation gegangen war. "Am zweiten Tag nach dem Ende der Kampfhandlungen zwischen der Hisbollah und Israel, kam der syrische Präsident Baschar al-Assad aus seinem Versteck", kommentierte die libanesische Zeitung "Daily Star".
Auch auf die Verbrüde rungs- Einladung Assads, der erklärt hatte, die Palästinenser, Libanesen und Syrer säßen bei der Befreiung ihrer Gebiete von israelischer Besatzung - von den anderen Arabern verlassen - in einem Boot, gab der Kommentator nichts. Stattdessen forderte er von Assad, "ein Stück Papier, auf dem unmissverständlich steht, dass die (von Israel besetzten) Schebaa-Farmen libanesisches (und nicht syrisches) Staatsgebiet sind". Außerdem sollten die Syrer "ihre subversive Manipulation der libanesischen Innenpolitik einstellen".