Arabische Staaten befinden sich derzeit in einer Zwickmühle. Einen Krieg in ihrer Region möchte niemand von ihnen, auch wenn sie dem irakischen Machthaber Saddam Hussein kaum wohlgesonnen sind. Andererseits wollen sie es sich nicht mit den USA verderben. Das verhindert bislang eine gemeinsame arabische Position zu einem von den USA angeführten Krieg gegen den Irak, für den die Vorbereitungen schon auf Hochtouren laufen. Die Herrscher der Golfstaaten, die am Wochenende nach Katar gekommen waren, konnten sich dazu nicht zu einer gemeinsamen Stellungnahme durchringen.
Der kleine Wüstenstaat Katar, Gastgeber des Gipfeltreffens, hat eine besonders komplizierte Interessenlage. Etwa 30 Kilometer von der Hauptstadt Doha entfernt, liegt der US-Militärstützpunkt El Udeid. Wenn es zu einem Krieg käme, dann würde er von hier aus gesteuert werden. Im Dezember probten amerikanische und britische Militärs dort den Ernstfall. Für die Duldung der ausländischen Truppen hat Katar heftige Kritik aus der arabischen Welt eingesteckt.
Auf dem Gipfeltreffen gab der Emir von Katar, Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani, sich deshalb betont solidarisch. "Die Teilnahme an Aktionen gegen den Irak ist immer schmerzlich", sagte er. Auf die Präsenz der US-Militärs angesprochen, betonte er: "Sobald es eine einheitliche Strategie der arabischen Staaten gibt, wird Katar sie übernehmen." Im übrigen habe Katar mit den USA gar kein neues Militärabkommen unterzeichnet, sondern lediglich ein Zusatzprotokoll zu dem Abkommen, das seit der Besetzung Kuwaits 1990 bestehe.
Der zweite wichtige Partner der USA in der Region ließ bislang eine klare Antwort offen. Zwar sind auch in Saudi-Arabien seit langem US-Soldaten stationiert, doch ob Washington die Einrichtungen im Kriegsfall nutzen darf, steht noch immer nicht fest. "Jedes UN-Mitglied ist zur Zusammenarbeit verpflichtet, um die UN-Resolutionen umzusetzen, aber Zusammenarbeit muss nicht bedeuten, Kämpfe zu unterstützen und Truppen zu entsenden", sagte der saudische Außenminister Saud el Faisal.
Im Golfkrieg 1991 hatte der damalige US-Präsident George Bush sich auf die saudischen Freunde noch voll verlassen können. Mittlerweile ist der Anti-Amerikanismus in der Bevölkerung gewachsen und Riad muss damit rechnen, dass es zu Unruhen kommt, wenn die Alliierten von Saudi-Arabien aus den Irak angreifen.
Einen ersten Vorgeschmack möglicher Proteste erlebte Ägypten, wo zeitgleich zum Gipfeltreffen der Golfstaaten etwa 700 Menschen vor der Botschaft von Katar gegen die Stationierung ausländischer Truppen protestierten. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak betont immer wieder, dass ein Krieg gegen den Irak verheerende Auswirkungen auf die Wirtschaft des gesamten Nahen Osten hätte. Gerade Ägypten, das sich rühmt, von der Tourismus-Krise nach dem 11. September 2001 am schnellsten genesen zu sein, befürchtet Milliardenverluste, wenn die ausländischen Besucher wegen eines Kriegs wieder ausbleiben sollten.
Eine Sonderrolle unter den arabischen Staaten nimmt Syrien ein, das während der Abstimmung über die UN-Resolution 1441 als einziges arabisches Land als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat saß und überraschend mit einem Ja stimmte.