Beschützt von einem beispiellosen Sicherheitsaufgebot treffen sich in der australischen Metropole einige der mächtigsten Politiker der Welt, unter ihnen US-Präsident George W. Bush, Chinas Staatschef Hu Jintao und Russlands Präsident Wladimir Putin. Rund 3500 Polizisten sowie 1500 Spezialkräfte der Armee sind im Einsatz, um die Spitzenpolitiker des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in den Konferenzorten von Sydneys Innenstadt vor Anschlägen zu schützen.

Schulterschluss mit Bush
Hoffnungen, dass sich die Apec, die mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung und praktisch die Hälfte des Welthandels repräsentiert, auf konkrete Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung einigen könnte, machte der Gastgeber vor dem Treffen zunichte. Der australische Premierminister John Howard, der wohl letzte hundertprozentige Verbündete der USA im Irak-Krieg, übt auch in der Klimapolitik den engen Schulterschluss mit Bush. Hartnäckig weigern sich die USA und Australien, das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll mit verbindlichen Zielen zum Klimaschutz zu ratifizieren.
Stattdessen wollen sie weg von Kyoto und ein neues Klimaabkommen auf den Weg bringen, das ein "effektives Handeln von allen Hauptverursacherstaaten" vorsieht. "Wir glauben nicht, dass ein Weitergehen auf dem Weg von Kyoto eine Lösung für das Problem liefert", sagt Howard.
Howard und Bush halten das Kyoto-Abkommen für mangelhaft, weil es die aufstrebenden Wirtschaftsmächte wie China und Indien nicht ausreichend in die Pflicht nehme. Aber den Plänen Bushs und Howards erteilte der chinesische Staatschef Hu bereits eine Absage: Verpflichtungen für aufstrebende Mächte lehnte er ab und beharrte darauf, dass die Uno weiterhin die erste Adresse für weitere Verhandlungen über Post-Kyoto und den Klimaschutz bleiben solle.
Neben dem Klimaschutz soll bei dem diesjährigen Apec-Gipfel auch das Thema Welthandel eine große Rolle spielen, eines der Motive für die Gründung der Apec 1989. Dabei soll über die Wiederaufnahme der sogenannten Doha-Runde zur umfassenden Liberalisierung des Welthandels gesprochen werden, die Ende Juli 2006 ohne Ergebnis abgebrochen wurde. "Doha bleibt die letzte und beste Hoffnung auf den weltweiten Abbau von Handelshemmnissen und darauf, Menschen aus der Armut herauszuholen", sagte Howard.
Bei den zahlreichen bilateralen Gesprächen in Sydney dürften auch Themen wie Produktsicherheit in China, das nordkoreanische Atomprogramm und der Kampf gegen den internationalen Terrorismus behandelt werden.
Angesichts der Terrorgefahr hat sich Sydney in den vergangenen Wochen in eine abgeschottete Festung verwandelt. Eine mehr als fünf Kilometer lange und 2,80 Meter hohe Mauer aus Beton und Stahl riegelt den Tagungsort im Herzen der Metropole ab (die RUNDSCHAU berichtete).

5000 Polizisten im Einsatz
Über die Mobilisierung der rund 5000 Polizisten und Spezialkräfte sagte der zuständige Polizeichef Andrew Scipione, dies sei "der größte Sicherheitseinsatz in der Geschichte Australiens". Die Informationen der Geheimdienste deuteten daraufhin, dass sich die Sicherheitskräfte auf "massenhafte Festnahmen" von Gipfelgegnern einstellen müssten.