"Nicht klagen, helfen!": Das Motto der Volkssolidarität zur Gründung 1945 ist nach Ansicht von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) so aktuell wie damals. "Wir wollen gemeinsam eine solidarische und gerechte Welt, in der alle gleiche Chancen haben: Kinder, die hier geboren werden und die, die hier Zuflucht suchen. Da darf es keine Unterschiede geben", sagte Schwesig am Samstag mit Blick auf den anhaltenden Flüchtlingsstrom zur 70-Jahr-Feier der Volkssolidarität in Erfurt.

Der heutige Sozial- und Wohlfahrtsverband war seinerzeit zur Überwindung des Kriegselends gegründet worden. In der DDR war er vor allem für die Betreuung von Senioren zuständig. Heute sei er ein starker Anwalt für die Rechte von Menschen, die Hilfe brauchten, sagte Schwesig.

Zusammen mit Vertretern der Politik feierten im Erfurter Kaisersaal langjährige Mitglieder und Ehrenamtliche das Jubiläum und erinnerten an die schwere Zeit des Anfangs. Die Volkssolidarität wurde im Oktober 1945 in der damaligen sowjetischen Besatzungszone gegründet, um durch den Einsatz vieler Menschen Not und Elend möglichst schnell zu überwinden.

Heute zählt sie in Ostdeutschland rund 200 000 Mitglieder, von denen sich 24 000 ehrenamtlich engagieren. In Kindergärten, Heimen, Freizeiteinrichtungen und Beratungsstellen sind zudem fast 18 000 Mitarbeiter tätig.

Als eine Herausforderung sieht der Verband den Einsatz für Kriegsflüchtlinge. Die Situation sei zwar mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges nicht vergleichbar. Die Betreuung und Eingliederung der Flüchtlinge könne jedoch auch heute von den staatlichen Behörden nicht allein ge stemmt werden, sagte Präsident Wolfram Friedersdorff. Dazu brauche es die Solidarität vieler.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, die Betreuung und Aufnahme der Flüchtlinge sei ohne den selbstlosen Einsatz der Ehrenamtlichen und Mitarbeiter von Volkssolidarität, Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk und anderen Wohlfahrtsorganisationen nicht zu stemmen.