Einer durfte nicht mitmachen. Peter Vida, der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat der Freien Wähler, war bei der Wahlarena des RBB nicht zugelassen. Auch ein Rechtsstreit vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht änderte daran letztlich nicht. Weswegen Vida am Dienstag abend seine eigene Wahlarena aufmachte: Vor dem Gelände des Potsdamer Hans-Otto-Theaters an der Schiffbauergasse hatte er sich mit einer überdimensionierten, aufblasbaren Glühbirne und einigen Anhängern postiert. An den Händen trug er Boxhandschuhe. „Es geht doch um eine Wahlarena“, sagte der kampfeslustige Jurist.

Drinnen, auf dem Gelände des Theaters, hatte der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Spitzenkandidaten der Parteien für die Landtagswahl am 1. September eingeladen. In einer 90 Minuten dauernden Live-Sendung konnten ihnen ins Studio eingeladene Bürger Fragen stellen. Peter Vida kommentierte das Geschehen währenddessen im sozialen Netzwerk Facebook. Denn für alle Beteiligten galt: Zwölf Tage vor der Landtagswahl war die RBB-Sendung das wohl letzte, wirklich große Aufeinandertreffen aller Spitzenkandidaten. Ein Format, dass es so in diesem Wahlkampf nur selten gegeben hatte. Und das für den einen oder anderen Fernsehzuschauer auch wahlentscheidend gewesen sein könnte.

Zu den ersten, die eine Frage stellten, gehörte Christine Floss aus Zossen. „Es treibt mich um, wie unsere rot-rote Landesregierung die Kitas beitragsfrei gestellt hat“, sagte Floss. „Aber ich frage mich, wieso das nicht auch bei der Tagespflege für ältere oder demente Menschen möglich ist.“ Doch die Linken-Kandidatin Kathrin Dannenberg beantwortet die Frage zunächst nicht, redet über die Bedeutung der Beitragsfreiheit für die Kitas. Erst auf Nachfrage der Moderatorin räumt sie ein, dass man auch die Betreuung für alte Menschen sicherstellen müssen. Da meldet sich Ingo Senftleben (CDU): „Wir dürfen nicht Generationen und Regionen gegeneinander ausspielen.“ Die CDU wolle ein Landespflegegeld einführen, das die Kosten übernehmen soll, die sich ein Pflegebedürftiger nicht leisten kann. Eine andere Frage wird zum Heimspiel für den Ministerpräsidenten. Wie ist es mit der Freistellung ehrenamtlicher Feuerwehrleute? Woidke dankt Feuerwehrleuten und ihren Arbeitgebern, spricht von der neu eingeführten Retterprämie. „Ich bin ganz stolz darauf, weil Brandenburg das erste Bundesland ist das sich so etwas leistet.“ Von Moderatorin Tatjana Jury lässt er sich nicht unterbrechen, spricht weiter über die Modernisierung von Feuerwehrgerätehäusern und der Ausstattung der Wehren mit neuer Technik. Dann ist Senftleben dran. Er berichtet von einer Frau aus Treuenbrietzen, die keine eigene Schutzausrüstung hat, und deswegen nicht in den Einsatz gehen kann. „Wir haben nicht für alle Kameraden genügend Ausrüstung“, sagt Senftleben. „Wir werden dafür sorgen, dass jeder die nötige Ausrüstung bekommt, die er braucht.“ Versprechen machen auch die anderen Kandidaten: Andreas Kalbitz (AfD) will mehr Munitionsberäumung in den Wäldern. Ursula Nonnemacher (Grüne) will einzelne Feuerwehren mit hauptamtlichen Personal unterfüttern. Und Hans-Peter Goetz (FDP) setzt sich dafür ein, dass es in Brandenburg künftig auch Löschflugzeuge gibt. Oben auf der Tribüne sitzt der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Werner-Siegwart Schippel, der heutige Präsident des Landesfeuerwehrverbands. Er lächelt.

Doch desto länger die Sendung dauerte, desto mehr wurde klar: Wirklichen politischen Streit sollten die Zuschauer an diesem Abend nicht erleben. Auf die Fragen aus dem Publikum gab es Antworten aus den Parteiprogrammen. Dass sich die Spitzenkandidaten gegenseitig angriffen, hatte Seltenheitswert. Als Andreas Kalbitz von der AfD davon sprach, dass seine Partei zum Grundrecht auf Asyl und subsidiärem Schutz stehen und sich daraufhin Kathrin Dannenberg von den Linken zu Wort meldete, wollte die sichtlich überforderte Moderatorin Tatjana Jury die Linken-Politikerin zunächst unterbrechen. Doch Dannenberg ließ sich nicht abwürgen, und berichtete dem Fernsehpublikum von den fremdenfeindlichen Reden der AfD in Cottbus. „Wir schüren keine Ängste und Sorgen, dafür steht die AfD nicht“, sagte Kalbitz. „Das stimmt so nicht“, sagte Dannenberg. Dann griffen die Moderatoren ein und es kam die nächste Publikumsfrage an die Reihe. Und so ging es die ganze Sendung lang. Die Unterschiede zwischen den Parteien wurden kaum herausgearbeitet, was auch daran lag, dass oft nur einzelne Politiker antworteten – und die Moderatoren keinerlei Anstalten machten, eine Diskussion herbeizumoderieren. Weswegen sich am Ende eine Frage auch nicht beantworten ließ: Wer hat die Wahlarena eigentlich gewonnen? Denn um Sieger und Verlierer feststellen zu können, hätte es viel mehr Reibung geben müssen.