Doch im Internet sind sich schon sehr viele sehr einig. Da entlädt sich jede Menge Hass gegen Ausländer - vor allem gegen junge männliche Muslime, die pauschal als vagabundierende Verbrecher dargestellt werden. "Sofort abschieben diese Barbaren!", schreibt ein Nutzer auf Facebook. Andere richten ihre Wut gegen die Kanzlerin: Sie habe schließlich all die Flüchtlinge erst ins Land gelockt. Und dann ist da noch die Feindseligkeit gegenüber der "Lügenpresse" und der Polizei: Beide fassten kriminelle Ausländer nur mit Samthandschuhen an und versuchten, Gewaltexzesse von Migranten kleinzureden.

Unter den Internet-Richtern sind die Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung ganz vorn mit dabei - und die der AfD. Die Chefin der rechtskonservativen Partei, Frauke Petry, postet auf ihrer Facebook-Seite zu den Ausschreitungen in Köln eine Botschaft an die Kanzlerin: "Ist Ihnen nach der Welle an Straftaten und sexuellen Übergriffen Deutschland nun "bunt und weltoffen" genug, Frau Merkel?" Dabei gibt es zu dem, was in Köln passiert ist, bislang viel mehr Fragen als Antworten.

Auch einige Unions-Politiker wollen nicht warten, bis die offenen Fragen geklärt sind. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer fordert die sofortige Abschiebung von Flüchtlingen, die Frauen sexuell belästigen. Die CDU-Spitzenfrau aus Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, verlangt eine offene Debatte über die Herkunft der Täter.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) reagiert auf all die voreiligen Schlüsse, auch aus den eigenen Reihen. Ja, dass eine "so große Zahl von Personen, offensichtlich mit Migrationshintergrund", die Übergriffe verübt haben solle, das sei eine neue Dimension, sagt er. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass nun Flüchtlinge unter einen Generalverdacht gestellt würden.

Auch Angela Merkel äußert sich. Über ihren Sprecher lässt sie ausrichten, wie groß ihre Empörung sei "über diese widerwärtigen Übergriffe und sexuellen Attacken". Die Schuldigen seien nun so schnell wie möglich zu ermitteln und zu bestrafen - "ohne Ansehen ihrer Herkunft oder ihres Hintergrundes".