"Dass sie uns nicht mochten, wussten wir", sagte ein 28 Jahre alter Eritreer am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Dresden.

Ein anderer damaliger Mitbewohner erzählte von seiner Angst nach der Explosion des Sprengkörpers am Küchenfenster der Gemeinschaftswohnung. "Ich habe mich sehr erschreckt und am ganzen Körper gezittert." Es habe in der Stadt 2015 ständig fremdenfeindliche Demonstrationen gegeben.

Häufig hätten Autofahrer vor ihrem Haus auch Hupkonzerte veranstaltet. "Ständig haben sie uns beschimpft. Und ich war immer vorsichtig", sagte der 28-Jährige.

Auch ein deutscher Nachbar der Flüchtlinge berichtete von einem angespannten Verhältnis und zeigte sich wenig verwundert von der Gewalttat. Alle hätten gesagt, dass es dort "irgendwann mal plauzen" werde. Aus seiner feindlichen Haltung gegenüber den Asylbewerbern machte der 59-Jährige Frührentner keinen Hehl. "Seitdem die Leute da waren, hatten wir massive Probleme." Bei dem Anschlag selbst habe er einen sehr lauten Knall gehört und einen Lichtblitz gesehen. "Das hat so einen Krach gegeben, so eine Wucht - wir dachten, das Haus stürzt ein." Die Wirkung sei mit der einer Handgranate vergleichbar gewesen. Wer den Anschlag mit verbotener Pyrotechnik verübt habe, könne er aber nicht sagen.

Die Flüchtlinge berichteten von massiven Zerstörungen. Die acht Bewohner der Wohnung blieben laut Generalbundesanwalt nur deshalb unverletzt, weil sie bereits schliefen und sich niemand von ihnen in der Küche aufhielt.

In verschiedenen Aussagen war bereits zuvor bekannt geworden, dass nach dem Anschlag zumindest die Angeklagten Justin S. und Mike S. zu dem Haus gekommen waren. Der Generalbundesanwalt macht Patrick F. und ein weiteres, bisher nicht identifiziertes Mitglied der Gruppe für die Zündung des Sprengstoffes verantwortlich. Patrick F. - laut Anklage einer der beiden Rädelsführer der "Gruppe Freital" - ist unterdessen offenbar zur Aussage bereit. Der 25-Jährige habe sich entsprechend geäußert, sagte Richter Thomas Fresemann am Dienstag.