Vier Attentate innerhalb von zwölf Stunden - neun tote und 23 verwundete Israelis, fünf palästinensische Attentäter ebenfalls tot. Zum Zeitpunkt des ersten Gipfeltreffens seit fast drei Jahren meldeten sich die Verhandlungs- und Friedensgegner mit einer in dieser Intensität einzigartigen Terrorwelle.
Sie begann mit einem Anschlag am Samstagabend im israelischen Teil der geteilten Westbank-Stadt Hebron, als ein Palästinenser sich neben einem vom Gottesdienst heimkehrenden Siedler-Ehepaar in die Luft sprengte und beide mit in den Tod riss. Ebenfalls Samstagnacht versuchten zwei bewaffnete Palästinenser, in die Siedlung Sharei Tikva im Westjordanland einzudringen, verwundeten dabei zwei Israelis und wurden selbst erschossen.
Am frühen Sonntagmorgen dann gleich zwei Selbstmordanschläge in Jerusalem. Ein Täter zündete eine Spreng- stoffladung in einem Linienbus im Norden der Stadt, tötete sieben ältere Passagiere und verletzte 21 weitere. Kurz danach wurde an einem Kontroll-Punkt am nördlichen Stadtrand ein weiterer Verdächtiger ausgemacht, der sich dem Zugriff entzog und in die Luft sprengte, ohne Opfer zu fordern.
Sowohl der Täter in Hebron als auch der im Bus hatten sich als religiöse Juden verkleidet. Hamas-Anführer Abdel Asis Rantissi erklärte, die Botschaft sei, dass der Widerstand gegen die israelische Besatzung anhalte. Sie hätten sich aber nicht gegen das Treffen von Ministerpräsident Mahmud Abbas mit Ariel Scharon gerichtet.
Doch Scharon eröffnete unmittelbar nach dem Hebroner Anschlag sein Treffen mit Abbas mit einer wütenden Verurteilung des Anschlages, der auch von Abbas bedauert wurde. Beide "stimmten überein, dass das Stoppen des Terrorismus der erste Schritt in Richtung jeden Fortschrittes darstellt". Scharon verschob nach den Anschlägen seine USA-Reise auf einen unbestimmten Zeitpunkt.
Das Gipfeltreffen selbst wurde von beiden Seiten als gescheitert gewertet, auf jeden Fall sei kein Durchbruch erzielt worden. Während die Palästinenser enttäuscht sind über das Ausbleiben jeglicher israelischer Gesten und Erleichterungen des Alltags der Bevölkerung, gilt die Enttäuschung der israelischen Seite Mahmud Abbas. Er sei schwach, ohne Kompetenzen, unfähig sowohl den Terror wirksam zu bekämpfen als auch gegen Jassir Arafats Politik der anhaltenden Gewaltanwendung aufzutreten.
Bei seinem Treffen mit Scharon soll Abbas sich denn auch außerstande erklärt haben, derzeit echte Schritte gegen den Terror zu unternehmen. Sicherheitschef Mohammed Dahlan habe von einer dreimonatigen Frist gesprochen, um die Sicherheitskräfte wieder zu organisieren und einen Anti-Terror-Plan auszuarbeiten, doch Scharon sei höchstens zu einer Zeitspanne bis maximal anderthalb Monaten bereit gewesen. Im Vorfeld des Treffens hatte man auf israelischer Seite aber erstmals von der Bereitschaft gesprochen, sich vorübergehend mit einer Feuerpausen-Übereinkunft Abbas mit den oppositionellen Radikal-Islamisten zu begnügen, bis Dahlan aktiv gegen die Terroristen vorgehen könne.
Scharon soll Abbas angeboten haben, den Rückzug aus Teilen des Gaza-Streifens und einigen Städten im Westjordanland anzuordnen, wenn die Palästinenser an diesen Orten den Terror aktiv bekämpfen. Abbas forderte dagegen, Israel müsse zuerst offiziell den Friedensfahrplan akzeptieren. Scharon habe dies abgelehnt und erklärt, er wolle zuerst seine Vorbehalte und Änderungswünsche daran mit US-Präsident George W. Bush besprechen.