Im Streit um die Sperranlage im Westjordanland hat ein neues palästinensisches Selbstmordattentat auf einen Linienbus in Jerusalem Öl ins Feuer gegossen. So sieht sich Israels Regierung nur bestätigt, während die Palästinenserführung das Attentat als Schnitt ins eigene Fleisch begreift. Denn die heute beginnende Anhörung in Den Haag ist ein Kampf um die öffentliche Meinung, mag das Verfahren auch juristisch nur von geringer Bedeutung sein.

Bekenner-Erklärung
Mit seinem Sprengsatz hat der aus einem Dorf bei Bethlehem stammende Attentäter acht weitere Menschen mit sich in den Tod gerissen. Dutzende Menschen werden auf dem Weg zur Arbeit und in die Schulen verletzt. Der Mann war in der Deutschen Kolonie Jerusalems - einem nach Templern benannten Stadtviertel - in der Buslinie 14a unterwegs. Er sitzt unbemerkt in der Mitte des Fahrzeugs und aktiviert seine Bombe während eines Ampelstopps.
In einer Bekenner-Erklärung der Al-Aksa-Brigaden, einer radikale Splittergruppe der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, heißt es, die Sperranlage sei eine "Nazi-Mauer, die uns nicht von Angriffen abhalten wird". Die Tat sei Reaktion auf die Tötung von Palästinensern im Gazastreifen und den Bau der Sperranlage.
Jetzt ist die Palästinenserführung unter Druck. "Der Anschlag kommt als kalte Dusche, während noch letzte Vorbereitungen für die Anhörung in Den Haag und geplante Demonstrationen laufen", sagt ein Palästinenser in Ramallah. Beide Parteien wollen in Den Haag auf ihre Opfer in dem Konflikt aufmerksam machen. Israelische Organisationen werden dazu mit Genehmigung der Stadt auch das Wrack eines Omnibusses vor dem Gerichtsgebäude auf einem Tieflader zeigen. Das Fahrzeug war bei einem Anschlag zerstört worden. Acht große Proteste planen Palästinenser heute entlang der Sperranlage.

Teile des Trennzauns demontiert
"Wenn es schon einen Zaun um Jerusalem gäbe, hätte es heute keinen Anschlag gegeben", erklärte der israelische Justizminister Josef Lapid, während noch um das Leben von Schwerverletzten gekämpft wurde. Er hoffe, die Botschaft sei auch bei den Richtern in Den Haag angekommen. Zeitgleich wurde im Norden des Westjordanlands erstmals wieder ein Teil der Sperranlage abgebaut, weil er das palästinensische Dorf Baka el Scharkia isoliert hatte. Denn international ist weniger die Sperranlage selbst umstritten. Kritisiert wird vor allem der Verlauf der Barriere, die sich tief ins Westjordanland schneidet.
Ungewöhnlich scharf wird der Anschlag von der Palästinenserführung verurteilt, die in Den Haag die Folgen der Sperranlage deutlich machen will. Der Zeitpunkt sei offensichtlich bewusst gewählt, sagte der palästinensische Regierungschef Ahmed Kurei. Und Terje Larsen, der UN-Koordinator für die Friedensbemühungen im Nahen Osten, sagte dem israelischen Rundfunk: "Diese Kriegsverbrecher, diese Terroristen dürfen nicht in der Lage sein, einen künftigen Friedensprozess als Geisel zu nehmen."