Bei den Toten handelt es sich nach Angaben eines Behördensprechers um sechs Polizisten, sechs Angreifer und vier Zivilisten. 16 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Todesopfer seien bis auf eine indische Zivilistin alle Jemeniten, hieß es. Mitarbeiter der durch hohe Mauern geschützten Botschaft kamen demnach nicht zu Schaden.

Für Präsident Ali Abdullah Salih und die jemenitischen Sicherheitskräfte ist der Angriff auf die US-Botschaft in Sanaa ein schwerer Schlag. Zeigt die dreiste Attacke am helllichten Tag doch, dass es der jemenitischen Führung trotz ihrer Zusammenarbeit mit den Anti-Terror-Experten aus Washington immer noch nicht gelungen ist, den Sumpf des islamistischen Terrors in Südarabien trockenzulegen. Damit dürfte auch die von Washington mehrfach geäußerte Kritik an Salihs Umgang mit Al Qaida und anderen Terrorgruppen wieder lauter werden.

Erstens hatte es ihm die US-Regierung übelgenommen, dass er mehrere „reuige“ Islamisten aus dem Gefängnis entlassen hat, die aus Sicht der Amerikaner durchaus gefährlich waren. Zweitens warf man Salih vor, er konzentriere sich mehr auf den Erhalt seiner Macht, die in den vergangenen zwei Jahren vor allem von den schiitischen Houthi-Rebellen infrage gestellt worden war, als auf die Bekämpfung der sunnitischen Terroristen. Doch für den jemenitischen Präsidenten, der das ärmste Land der Region schon seit 30 Jahren regiert, ist es auch nicht leicht, gemeinsam mit den Amerikanern gegen die Terroristen vorzugehen, die in dem islamisch-konservativen Land reichen Nährboden finden.
Zwar hatte er einigen islamistischen Hetzpredigern nach dem Anschlag auf das Kriegsschiff „USS Cole“ im Golf von Aden das Handwerk gelegt. Doch daran, dass die Grundhaltung der meisten Jemeniten anti-amerikanisch ist, vor allem seit der US-Invasion im Irak im Frühjahr 2003, kann auch er nichts ändern. Diese anti-amerikanische Einstellung zwingt ihn vielmehr, vorsichtig zu agieren, damit er von seinen innenpolitischen Gegnern nicht als Marionette Washingtons verunglimpft werden kann.
Außerdem fällt es der Zentralregierung in Sanaa wegen der starken Stellung der bewaffneten Stämme ohnehin schwer, das gesamte Land zu kontrollieren. Und auch die gemeinsame Grenze mit Saudi-Arabien ist trotz der jüngsten gemeinsamen Bemühungen beider Staaten zur Sicherung des Wüstenstreifens relativ durchlässig.
Westliche Geheimdienstexperten haben schon oft gewarnt, dass es für Extremisten und ausländische Mächte leicht ist, die Stammesgebiete im Jemen als Rückzugsort zu benutzen. Sie glauben, dass einige Clanchefs auch ohne ideologische Überzeugung, nur gegen entsprechende finanzielle Leistungen, bereit sind, Gesuchten Unterschlupf zu gewähren.

Was den Terroranschlag von der Handgranaten-Attacke unterscheidet, bei der im vergangenen März vor dem Botschaftsgelände ein Wächter getötet worden war, ist das planvolle Vorgehen der offenbar kampferprobten Angreifer. Diese hatten sich Polizeiuniformen besorgt und waren relativ gut über die Sicherheitsmaßnahmen der Botschaft im Bilde. Dass sie trotzdem keine US-Diplomaten getötet haben, sondern Zivilisten und jemenitische Wächter, liegt daran, dass die Botschaftsmitarbeiter gewarnt waren. Nach den jüngsten Attacken auf westliche Ziele im Jemen war mit einem erneuten Angriff zu rechnen.