Zwei Jahre danach erinnert an den Orten des Verbrechens nichts mehr an den Schrecken von damals. In den Bahnhöfen Atocha, El Pozo und Santa Eugenia herrscht Berufsverkehr wie eh und je. Mehr als die Hälfte der Waggons der damaligen "Todeszüge" sind seit Monaten wieder in Betrieb. Am Samstag soll es keine größeren Gedenkfeiern geben. Die spanische Hauptstadt will signalisieren, dass sie zur Normalität zurückgefunden hat. "Madrid hat das Blutvergießen rascher verarbeitet als andere Städte, die von Terror heimgesucht wurden", meint die Zeitung "El País".
Für die Opfer dagegen kann von Normalität keine Rede sein. Von den Verletzten befinden sich noch immer 217 in medizinischer und 264 in psychologischer Behandlung. Angeles Domínguez, die heute eine Vereinigung zur Unterstützung der Opfer leitet, geht mit den Ermittlern, die nach den Terroristen von damals fahndeten, hart ins Gericht: "Zwei Jahre danach wissen wir nur, dass wir nichts wissen." Der Nationale Gerichtshof hielt dem die Ermittlungen leitenden Richter Juan del Olmo eine "Besorgnis erregende Langsamkeit" vor.

Klageschrift fehlt immer noch
Die Besorgnis hat einen guten Grund, denn der spanischen Justiz droht ein Skandal. Wenn es weitere Verzögerungen gibt, kann es geschehen, dass die Angeklagten freigelassen werden müssen, weil sie nicht länger in Untersuchungshaft gehalten werden dürfen. Del Olmo will bis zum 10. April seine Klageschrift vorlegen. Der Prozess könnte dann Anfang 2007 eröffnet werden. Wenn bis März 2008 die Urteile nicht gesprochen sind, kommen die meisten Angeklagten frei. Der Richter ermittelt gegen 116 Verdächtige. Er wird aber, wie aus Justizkreisen verlautete, höchstens 40 auf die Anklagebank bringen. Darunter wird nur einer sein, der zu den eigentlichen Bombenlegern gehört haben soll. Den meisten wird wahrscheinlich zur Last gelegt, die Terroristen unterstützt zu haben.
Es gilt als relativ unstrittig, dass die Haupttäter die sieben Islamisten waren, die sich drei Wochen nach den Anschlägen in einer Wohnung selbst in die Luft sprengten, als sie von der Polizei umstellt waren. An den Tatorten fanden die Ermittler jedoch Spuren von noch fünf weiteren Terroristen. Deren Identität ist bis heute völlig unbekannt. Ein weiteres Rätsel ist, ob es Hintermänner gab und wer diese waren. Del Olmo geht davon aus, dass die Bombenleger sich von der Strategie des "internationalen Terrorismus" leiten ließen, aber dass wohl keine Organisation hinter den Anschlägen stand. Dagegen wendet Domínguez ein: "Wer kann denn glauben, dass ein paar marokkanische Einwanderer in der Lage waren, solche Anschläge zu organisieren? Da muss es Hintermänner gegeben haben."

Vorwürfe zwischen den Parteien
Keineswegs überwunden ist die Kluft, die die Bomben damals in Spaniens politische Landschaft gerissen hatten. Die Konservativen werfen dem sozialistischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero heute noch vor, nur wegen der Bomben die Wahl am 14. März 2004 - drei Tage nach den Anschlägen - gewonnen zu haben und sein Amt den Attentätern zu verdanken. Die Linke dagegen beschuldigt den damaligen konservativen Regierungschef José María Aznar, die Gefahr des islamischen Terrors unterschätzt zu haben.