In Berlin sind zwei weitere Brandsätze gefunden worden. Einer davon ist laut Polizei vermutlich explodiert. Er wurde am Mittwoch nahe dem Bahnhof Staaken im Westen Berlins entdeckt. Verletzt wurde niemand. Dort könnten auch noch mehr Brandsätze liegen. Weitere Funde gab es am Vormittag zwischen den Bahnhöfen Schöneberg und Südkreuz.

Die Unterbrechungen im Reiseverkehr wegen der Polizeieinsätze an beiden Orten haben auch die RE 2-Strecke zwischen Cottbus, Berlin und Rathenow wesentlich beeinflusst. Der Verkehr sei weiträumig über Potsdam geführt worden, schildert Gahler der RUNDSCHAU. Der Bahnsprecher verweist zugleich darauf, dass zurzeit keine Gefahr für Reisende bestehe. Gahler begründet seine Aussage damit, dass mit den Brandsätzen Signalanlagen beschädigt werden sollen, um Chaos zu stiften. Beim Ausfall von Weichen oder Signalen würde ein Sicherheitssystem greifen, dass Züge stoppen und erst weiterfahren lassen würden, wenn die Gefahr beseitigt sei. "Verspätungen sind damit natürlich verbunden."

Diese Einschätzung bestätigt auch der Fahrgastverbandes Pro Bahn. Reisende müssten sich keine Sorgen machen. "Es wurde kein Brandsatz genau unter einem Zug gezündet", sagte Verbandsvorsitzender Karl-Peter Naumann.

Bahn und Bundespolizei verstärkten die Kontrollen deutschlandweit. Der Verfassungsschutz geht von einer isolierten linksextremistischen Einzelgruppe als Täter aus. Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch entschieden, die Ermittlungen wegen der Brandanschläge auf Bahngleise rund um Berlin zu übernehmen. Dies bestätigte ein Sprecher der Behörde in Karlsruhe dem "Tagesspiegel".

Unterdessen ist ein politischer Streit über die Bewertung der Vorfälle ausgebrochen. Während CDU-Politiker am Mittwoch vor einem neuen "Linksterrorismus" warnten, wandten sich Grüne und Linke gegen Vergleiche mit den RAF-Aktionen der 1970er-Jahre.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) erklärte in einem Zeitungsinterview: "Der Linksextremismus eskaliert zum Linksterrorismus." Die jüngsten Anschlagsversuche auf Bahnanlagen seien keine Zufallstaten. "Das ist eine weitere Verschärfung im Rahmen einer ganzen Kette linksextremistischer Anschläge."

Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck nannte die Täter "einen losen, wirren Haufen von Chaoten". Er sehe weder Hinweise auf eine verfestigte Organisationsstruktur noch auf einen ideologischen Unterbau. Warnungen vor einem neuen Linksterrorismus und Vergleiche mit den Aktionen der Rote Armee Fraktion (RAF) seien nicht angemessen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zog demgegenüber Parallelen zu den RAF-Aktionen in den 70er Jahren. "Auch der RAF-Terror begann mit Brandanschlägen", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut.