Waren sich die Tatort-Freunde nicht ohnehin einig, dass die persönlichen Dramen der Kommissare eher überflüssig sind? Erste Chance, die der neue Berliner Tatort verpasst hat. Schade. Zumal dem durchaus sehenswerten Fall um perfide Drogenschmuggelei auf Kosten junger Berliner dadurch eine Dreiviertelstunde verloren gegangen ist. In der Zeit hätte man vielleicht einen Weg gefunden, die fehlende Spannung nicht mit unnötiger Brutalität aufzuwiegen, der beeindruckenden Jungdarstellerin Emma Bading etwas mehr Spielzeit zu geben und auch den neuen Kommissar Robert Karow nicht ganz so blöd rüberkommen zu lassen. Schlecht gelaunte Ermittler sind ja grundsätzlich erst einmal sehenswert - Beispiel: Kommissar Faber aus Dortmund - in Berlin hat man aber offenbar vergessen, dem neuen Ermittler die nötige Portion Menschlichkeit mitzugeben. Irgendwann, etwa 20 Minuten nach dem Start des neuen Berliner sonntagabends, hat man sich unweigerlich gefragt, wie es wohl dem Kommissar Stark gehen mag, und ob er nicht vielleicht doch mal wieder den Hauptstadt-Tatort sehenswert machen wollen würde. Oder ob Kollege Ritter nicht doch noch mal Lust haben könnte, seine Cowboystiefel überzustreifen und durch die Berliner Nacht zu poltern.

Höhepunkt aber in der ersten Folge vom neuen Kommissaren-Gespann Rubin/Karow: Die gesuchten Jugendlichen verstecken sich im spärlich eingerichteten BER-Flughafenhotel, das beste Versteck, das es im Tatort jemals gab. Die Ansätze also: gut. Die Ausführung: naja.