Er habe derzeit den Eindruck, dass bei den Staatsanwaltschaften "kein ganz starkes Interesse" an der Aufklärung der Fälle bestehe, sagte Lilienthal gestern in Leipzig im Vorfeld der Verleihung des Leipziger Medienpreises. Es müsse aber allen an der Aufklärung dieser Fälle gelegen sein, um so etwas für die Zukunft zu verhindern.
Derweil sieht sich der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), wo Mohren bis zu seiner fristlosen Entlassung arbeitete, für künftige ähnliche Fälle gerüstet. MDR-Intendant Udo Reiter betonte, seine Anstalt habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Fälle von Korruption künftig frühzeitig zu verhindern. So habe die Dreiländeranstalt unter anderem einen Verhaltenskodex für Mitarbeiter eingeführt und eine interne Antikorruptionsbeauftragte ernannt.

Mehr Sponsoring-Transparenz
Ferner würden Sponsoringverträge neuerdings über das zentrale Vertragsmanagement abgewickelt. "Damit ist eine größtmögliche Transparenz bei diesen Vorgängen gewährleistet", sagte Reiter im Dresdner Landtag bei einer öffentlichen Anhörung zu den ARD-Affären. Durch die Vorfälle sei es sowohl im öffentlich-rechtlichen Rundfunk als auch bei Produktionsfirmen zu einer enormen Sensibilisierung für dieses Thema gekommen.
Emig und Mohren wird unter anderem Untreue vorgeworfen. Sie sollen Sendezeit ihrer Anstalten "weiterverkauft" haben. Die Staatsanwaltschaften ermitteln seit Mitte 2005. Eine Anklage wurde noch nicht erhoben.

Gegen steriles Programm
Der Leiter der zuständigen Clearing-Stelle der ARD und juristische Direktor des Südwestrundfunks (SWR), Hermann Eicher, sagte, dass es auch bei der Eindämmung von Schleichwerbung Grenzen gebe. So müsse es weiterhin möglich sein, auf einer Straße zu drehen, auch wenn dabei möglicherweise kurzzeitig Logos von Firmen und Unternehmen zu sehen seien. Wenn auch dies nicht mehr erlaubt sei, "hätten wir ein vollkommen steriles Programm".
Lilienthal betonte, seine Enthüllungen seien ein wichtiger Schritt, da erst dadurch in Deutschland im großen Umfang über Schleichwerbung diskutiert worden sei. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die EU-Medienkommissarin Viviane Reding, die eine Lockerung der entsprechenden Richtlinien in Europa durchsetzen wolle. In der jüngsten Fassung des Entwurfs würden Ratgeber- und Verbrauchersendungen nicht mehr ausdrücklich vom Schleichwerbe-Verbot ausgenommen, sagte Lilienthal. Die Zuschauer seien darauf aber angewiesen.