Aus Angst vor der Vogelgrippe lassen einige Geflügelhalter in Sachsen ihre Tiere vorsorglich im Stall. "Obwohl es noch keine allgemeine Stallpflicht gibt, haben sich einige Farmen nach Rücksprache mit dem Amtstierarzt dafür entschieden", sagte der Geschäftsführer des Sächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Günther Drobisch, am Dienstag.

Dem Verband sind derzeit drei Farmen bekannt. Betroffen seien vor allem Anlagen in der Nähe von Gewässern, an denen Wildvögel Rast machen. "Vorsicht ist angebracht", sagte Drobisch. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Virus auch Sachsen erreiche.

Auf der Insel Ummanz bei Rügen war am Wochenende das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 erstmals in Europa bei einem Wildvogel nachgewiesen worden.

Seit knapp einer Woche bleibt deshalb ein Teil der Tiere auf dem Geflügelhof Großenhain im Stall. Normalerweise leben die Hühner in Freilandhaltung. "Wir hoffen, dass es schnell wieder vorbei ist", sagte Geschäftsführer Christian Riedel.

Auf der Gänsefarm Eskildsen in Wermsdorf müssen alle 6000 Zuchtgänse vorerst auf Freilandhaltung verzichten. Ein Teil der Mastgänse werde aber weiterhin im Freien gehalten. Futterstellen wurden gesichert, um keine Wildvögel anzulocken, erklärte Chef Lorenz Eskildsen. Zudem hat das Unternehmen öffentliche Führungen abgesagt, um kein Risiko einzugehen.

Derzeit laufe die Schlachtsaison für das Weihnachtsfest. In drei bis vier Wochen habe sich das Problem ohnehin erledigt, so Eskildsen. "Dann sind die Mastgänse von der Wiese."

Im Jahr 2006 hatte die Geflügelfarm bereits Erfahrung mit der Vogelgrippe gemacht: Nachdem das Virus H5N1 in dem Tierbestand nachgewiesen worden war, mussten rund 16 000 Puten, Gänse und Hühner getötet werden.

Sachsens Gesundheitsministerium in Dresden erwägt jedoch vorerst zwar keine Stallpflicht, kündigte jedoch ein verstärktes Monitoring an.