Der schwarz gefiederte Vogel mit rotem Schnabel, der zum Bestand des Zoos gehörte, war erst im Frühjahr geschlüpft. Am Montag trieb er jedoch leblos auf dem Wasser. Am Donnerstagabend ging schließlich die Bestätigung des Nationalen Referenzlabors auf der Insel Riems ein: Mit dem Dresdner Zoo ist erstmals ein Tierpark in Deutschland von der Geflügelpest betroffen. Die beiden Elterntiere sind seither in Quarantäne.
Zoodirektor Karl-Heinz Ukena, der seinen Sommerurlaub abbrach und gestern vor die Presse trat, ist die Anspannung deutlich anzumerken. "Das ist der größte anzunehmende Unfall, der einem Zoo-Direktor passieren kann", sagt Ukena. "Unser gesamter Vogelbestand steht auf dem Spiel." Eine weitere tote Ente, die "geringfügig auffällig” war, wurde bereits zur Untersuchung geschickt.

Auch seltene Tiere in Gefahr
Gibt es in den nächsten Tagen weitere Todesfälle aufgrund des Influenzavirus' drohen drastische Einschnitte wie die Evakuierung von Tieren oder eine vorübergehende Schließung. Schlimmstenfalls könnte die Europäische Kommission sogar die Keulung aller rund 700 Vögel des Tierparks anordnen. Dann wären unter den 112 verschiedenen Arten selbst vom Aussterben bedrohte Tiere und Züchtungen wie seltene Papageien oder das Blaukehlchen betroffen. "Unter den Mitarbeitern", erklärt Ukena, "herrscht große Betroffenheit. An vielen Tieren hängt das Herzblut der Pfleger".
Zunächst trifft der Zoo vor allem Vorsichtsmaßnahmen. Ein begehbares Freiluftgehege wird für Besucher geschlossen und die Desinfektion verstärkt, Informationsblätter werden ausgelegt und einige Tieren in Ställe gebracht. Doch Strauße, Emus oder Nandus könne man gar nicht einsperren, betont Ukena. "Die würden verrückt werden".

Glück im Unglück
Der Dresdner Zoo hat dabei Glück im Unglück: Der Trauerschwan stammt aus Australien und zählt damit zu den Wildvögeln. Für sie gelten andere Vorschriften als bei Infektionen von Hausgeflügel. So war erst im April der gesamte Bestand einer Geflügelzuchtanlage im sächsischen Wermsdorf komplett vernichtet worden. "Diese Fälle sind aber nicht vergleichbar", erläutert die Tierseuchenexpertin des Sozialministeriums, Gerlinde Schneider. Schließlich kämen weder die Tiere noch deren Produkte in den Handel. Die Ansteckung, so sei zu vermuten, sei von einem anderen Wildvogel übertragen worden, sagt Schneider.
Im Drei-Kilometer-Umkreis wurde bereits eine Sperrzone verhängt, die vor allem die 15 Geflügelhalter mit ein paar Hundert Tieren betrifft. Sie müssen ihre Vögel in Ställe bringen.
Die meisten Dresdner reagieren auf die Hiobsbotschaft jedoch gelassen. Viele Familien strömen in den Zoo, ganze Kindergartengruppen sind unterwegs. "Wir küssen die Vögel doch nicht", flachst eine junge Mutter. Da die Waren in dem Sperrbezirk nicht hergestellt, sondern nur verkauft würden, gäbe es keine Reglementierungen, erklärt ein Veterinär der Stadt. Ganz unbesorgt scheinen manche Eltern allerdings nicht zu sein. Die Zahl der Gäste sei schon spürbar geringer, sagt ein Zoo-Mitarbeiter. Doch Gefahren für die Menschen bestünden überhaupt nicht.