Der 40-jährige Masri betreibt neben seinem Beruf als Medizin-Laborant das "Café Tripoli" in der Essener Innenstadt, eine nach seiner libanesischen Geburtsstadt benannte Konditorei mit Café. Ausgerechnet jenes Tripoli, in dem sich der 20 Jahre alte libanesische mutmaßliche Bahn-Bomber Jihad Hamad gestern selbst der Polizei stellte.
Vor allem am Abend ist das Café, das nach der zweitgrößten libanesischen Stadt benannt ist, beliebter Treffpunkt für viele der mehr als 5000 aus dem Libanon stammenden Menschen in Essen. Die Stadt hat damit die zweitgrößte "libanesische Gemeinde" Deutschlands - nach Berlin.

Nicht so guter Ruf
"Wir Libanesen sind betroffen, enttäuscht und beschämt", sagt Mohamed Masri. Er kam im November 1989 nach Deutschland, als noch Bürgerkrieg in seiner Heimat herrschte. Der Vater von vier Kindern ist Vorsitzender des Zedernvereins, der sich um die Integration der Essener Libanesen kümmert, beispielsweise mit zweisprachigem Unterricht für Kinder. "Libanesen haben einen nicht so guten Ruf in Deutschland gehabt und wir wollten eine Verbesserung." Aber dass nun der islamistische Terror durch Libanesen nach Deutschland kam, so befürchtet Masri, könne die Integration um Jahre zurückwerfen. Auch Masris Bruder, der Biochemie-Student Ali, der im Café aushilft, ist erzürnt über die "immer nur schlechten Nachrichten aus und über den Libanon". Religion verbiete das Töten, sagt der 31-Jährige überzeugt.
"Nur weil zwei Libanesen verrückt sind, werden jetzt vielleicht alle in Deutschland schief angeguckt", sorgt sich der 49 Jahre alte Markthändler Ramadan Abdul, der seinen Kaffee im "Tripoli" trinkt. Er habe aber glücklicherweise noch keine schlechten Reaktionen von Deutschen erlebt, auch seine sechs Kinder nicht, die im Alter zwischen 16 und 23 Jahren "von ihrer Mentalität her" sowieso mehr Deutsche als Libanesen seien. Ähnliches berichtet der 46-jährige Lagerarbeiter Mohammad Sobh, der froh ist: "Die Deutschen differenzieren."
In Masris Café ist die libanesische Flagge mit der Zeder überall präsent. Ein Schal mit dem Motiv ist um ein Foto gelegt, das den von vielen verehrten ehemaligen Ministerpräsidenten des Libanon, Rafik Hariri, zeigt. Er starb im Februar 2005 bei einem Autobomben-Anschlag. Im Regal des Cafés stehen aber auch Fußball-WM-Gläser mit der Flagge Deutschlands. An der Wand hängt ein Poster mit der Aufschrift "Lebanon - A Land of Diversity" (Libanon - Land der Vielfalt).

"Verbrecher gibt es überall"
Der aus dem Irak stammende Hussein Almusafar sagt: "Verbrecher gibt es überall." Der 36-Jährige arbeitet gegenüber vom "Tripoli" in einem libanesischen Imbiss, den er zusammen mit einem Libanesen betreibt. "Wenn ein Deutscher etwas Schlimmes macht, sind ja auch nicht alle Deutschen Schuld daran."