Nach Angaben von Augenzeugen beteiligten sich allein in der Metropole Ragun mehr als 50 000 Menschen an den Protesten gegen das Militär, das das Land seit 45 Jahren in eisernem Griff hat. Sie skandierten "Demokratie!" und "Der Wille des Volks muss erfüllt werden!". Einige entrollten Transparente mit dem Bild eines kämpfenden Pfaus, einem Symbol demonstrierender Studenten beim Aufstand 1988. Andere trugen Fotos von der unter Hausarrest stehenden Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi und ihrem Vater, einem Nationalhelden aus dem Unabhängigkeitskampfes gegen die Briten.
Eine erste Drohgebärde des Regimes war am Montagabend laut geworden. Der Religionsminister zeigte sich in devoter Haltung mit mehreren greisen Mönchen im Fernsehen und diffamierte die demonstrierenden Glaubensbrüder. Sie würden von feindlichen Kräften gelenkt und bedrohten den Frieden im Land. Er verlangte von den Alten, den Protesten ein Ende zu setzen. Andernfalls werde das Regime seine eigenen "Maßnahmen" ergreifen.
Die Europäische Union forderte "alle Beteiligten, aber ganz besonders die Regierung, zu größtmöglicher Zurückhaltung" auf. "Wir hoffen auf einen politischen Dialog unter Einschluss aller Beteiligten und die Achtung der Menschenrechte", sagte ein Sprecher der Kommission. China rief das Militär zu einem "angemessenen" Umgang mit den Protesten auf. US-Präsident George W. Bush kündigte unterdessen neue Sanktionen gegen die Militärjunta an. Die USA würden auch Einreisebeschränkungen für Birmas Machthaber verschärfen, sagte Bush gestern in der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York. Damit reagiere seine Regierung auf die Unterdrückung des Volkes in Birma. (dpa/uf)