Dennoch wirkt es so, als habe jemand die Glocken zur Begrüßung extra angestellt. Kurz vor zwölf Uhr ist im Grenzdurchgangslager bei Göttingen ein Bus mit den ersten syrischen Flüchtlingen angekommen, die vom umstrittenen Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei profitieren.

Als die sieben Erwachsenen und neun Kinder aussteigen, wirken sie erleichtert, aber auch sehr mitgenommen. "Sie sind völlig erschöpft von der Reise. Sie haben die ganze Nacht nicht geschlafen", sagt Dolmetscher Samal Osman, der die Flüchtlinge im Auftrag des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) begleitet. Mit den vielen internationalen Journalisten, die auf die Ankunft des Busses gewartet haben, wollen die Flüchtlinge nicht reden.

Wenig später werden die Ankömmlinge unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Leiter Heinrich Hörnschemeyer in Friedland willkommen geheißen. Man müsse verstehen, dass sie keine Kameras und Mikrofone dabei haben wollen, sagt Hannah Buschmann von der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde. "Nach allem, was sie in den vergangenen Monaten durchgemacht haben."

Die Syrer waren am Morgen mit der frühen Linienmaschine aus Istanbul auf dem Flughafen Hannover gelandet. Erst vor einer Woche hatten sie erfahren, dass sie aus der Türkei legal nach Deutschland einreisen dürfen. "Sie sind alle sehr aufgeregt und ein bisschen verängstigt", sagt Corinna Wicher vom Bundesamt. Im Lager Friedland könnten sie jetzt erst einmal zur Ruhe kommen.

Die Syrer wurden vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) als besonders hilfsbedürftig ausgewählt, einige von ihnen haben gesundheitliche Probleme.

In einer zweiten Maschine trafen am Montagmittag drei weitere syrische Familien mit ihren Kindern in Hannover ein. Die neu eingetroffenen Syrer sollen zwei Wochen bleiben. Anschließend werden sie niedersächsischen Kommunen zugewiesen.