| 19:05 Uhr

Angriff auf Polizei – keine Paniktat

Bewährung für Adam J. ( 2.v.l.) und lange Haft für Damian S., hier mit ihren Anwälten Tomasz Kuczynski (l.) und Klaus Kleemann (r.).
Bewährung für Adam J. ( 2.v.l.) und lange Haft für Damian S., hier mit ihren Anwälten Tomasz Kuczynski (l.) und Klaus Kleemann (r.). FOTO: Helbig/mih1
Cottbus. Viereinhalb Jahre Haft, 3300 Euro Schmerzensgeld plus Gerichtskosten. So lautet das Urteil des Landgerichtes Cottbus gegen einen Autohehler. Der hatte kaltblütig zwei Polizeiwagen bei Forst von der Autobahn gerammt. Simone Wendler

Schon mit Handschellen an den Gelenken kann Damian S. noch einmal im Gerichtssaal seine Freundin umarmen. Er wird sie längere Zeit nicht wiedersehen. Denn Justizbeamte bringen den 25-Jährigen anschließend zurück in die Haftanstalt. Das Landgericht Cottbus hat ihn gerade wegen schwerer Körperverletzung, gefährlichen schweren Eingriffs in den Straßenverkehr, Hehlerei und anderer Delikte zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt.

"Nur Ihrer Reue und Ihrem Geständnis haben Sie es zu verdanken, dass die Strafe nicht höher ausgefallen ist", sagt der Vorsitzende Richter Thomas Braunsdorf in seiner Urteilsbegründung. Das Landgericht ahndet damit einen spektakulären Zwischenfall im Kampf gegen internationale Autoschieberbanden.

In einem gestohlenen Audi Q7 war Damian S. im Juli 2014 in der Nähe von Forst auf der Autobahn in eine Polizeikontrolle gefahren. Er flüchtete über ein Nagelband und rammte nach Überzeugung des Gerichtes danach professionell und kaltblütig nacheinander zwei Polizeifahrzeuge, die ihn stellen wollten. Ein Auto überschlug sich dadurch mehrfach, das andere wurde herumgeschleudert und kippte um.

Nicht nur die Polizisten, sondern auch er hätte Glück gehabt, dass diese Unfälle mit nur leichten Verletzungen der Beamten glimpflich verliefen. "Sonst würden sie jetzt wegen eines Tötungsdeliktes vor der Schwurgerichtskammer sitzen", hielt Braunsdorf dem gelernten Automechaniker vor.

Keinen Glauben schenke das Gericht der Behauptung, Damian S. habe wegen Schüssen in Panik gehandelt, als er die Polizeiabsperrung durchbrach und die Fahrzeuge der Beamten von der Fahrbahn katapultierte. Sein Anwalt, Klaus Kleemann, hatte in seinem Schlussvortrag noch mal auf diese Panik hingewiesen.

"Sie hatten die Absicht, diese Unfälle herbeizuführen und hatten das geübt", hielt Braunsdorf dem Verurteilten dagegen vor. Dass die Polizei bei einem solchen Durchbruch von der Schusswaffe Gebrauch macht und in die Luft oder auf das Auto schießt, damit hätte Damian S. rechnen müssen. Auch der Ablauf der beiden Unfälle habe gezeigt, dass er klar überlegt gehandelt habe und keinesfalls in Panik.

Mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, konnte der 24-jährige mitangeklagte Adam J. das Landgericht am Donnerstag verlassen. Er war nicht an der Attacke auf die Polizeiautos beteiligt gewesen und wurde nur wegen Hehlerei und unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt.

Das Amtsgericht Cottbus war unmittelbar nach der Tat heftig von Polizei und Brandenburger Innenministerium kritisiert worden, weil es nur gegen Damian S., aber nicht gegen Adam J. Untersuchungshaft verhängte. Das am Donnerstag ergangene Urteil und die Tatsache, dass Adam J. pünktlich aus Polen zur Gerichtsverhandlung anreiste, bestätigt im Nachhinein die Richtigkeit der Entscheidung des scharf kritisierten Amtsgerichtes.