Die Gewalt beim Nato-Partner eskaliert in einem atemberaubenden Tempo. Mit dem Angriff eines Selbstmordkommandos auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul hat der Terror in der Türkei eine neue Dimension erreicht.

Dabei gab es vor dem Angriff ausnahmsweise mal gute Nachrichten aus der Türkei. Nach Monaten der Krise nähern sich Ankara und Moskau wieder an. Mit Israel söhnt sich die Türkei nach jahrelanger Eiszeit aus. Doch die Gewalt holte die Türken in der Nacht zu Mittwoch wieder ein.

Schon seit vergangenem Sommer weitet sich der Kurdenkonflikt im Südosten stetig zu einem neuen Bürgerkrieg aus. Für Türken und Ausländer in den Metropolen schien das weit weg, bis die Gewalt auch nach Istanbul und Ankara übergriff. Zugleich verschärfte die Türkei ihren Kurs gegenüber der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - nachdem Erdogan vorgeworfen worden war, extremistische Gruppen wie den IS in Syrien mindestens durch aktives Wegschauen gefördert zu haben.

Die blutige Terrorbilanz nur aus Istanbul und Ankara seit vergangenem Herbst: Weit über 200 Tote, darunter zwölf deutsche Urlauber, die ein IS-Selbstmordattentäter im Januar in Istanbuls Altstadt mit in den Tod riss. Der Terrorangriff auf den Atatürk-Airport mit Dutzenden Opfern markiert den vierten schweren Anschlag in Istanbul seit Jahresbeginn - und den zweiten in dem für Muslime heiligen Fastenmonat Ramadan. Erst vor drei Wochen detonierte eine Autobombe in der Altstadt, wozu sich die TAK bekannte, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Diesmal richtet sich der Verdacht auf den IS: Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte gestern bei einem Besuch am Flughafen, Hinweise deuteten darauf hin, dass der IS für das Massaker verantwortlich sei.