Die Realität sieht anders aus - und schuld daran sind nach Ansicht des 81-Jährigen Konzerne, die nur auf Profit bedacht sind und rücksichtslos dem Kapitalismus frönen. In zahlreichen Büchern legte der Berater des UN-Menschenrechtsrats seine Ansichten dar und schuf sich mit seiner Furchtlosigkeit und Unbeugsamkeit Bewunderer, aber auch Kritiker. Mittlerweile gilt Ziegler als einer der prominentesten Globalisierungskritiker. Als solcher wurde er auch als Hauptredner bei der Protestdemonstration gegen den G7-Gipfel in München eingeladen. Kürzlich erschien zudem sein neues Buch: "Ändere die Welt - Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen".

Geboren wurde Ziegler am 19. April 1934 im schweizerischen Thun. Nach dem Abitur zog es ihn nach Paris. Ab 1953 studierte er an der Sorbonne, später in New York, Bern und Genf Jura, Soziologie und politische Wissenschaften. Besonders prägend: Die Begegnung mit dem Philosophenehepaar Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre in Paris. Auch Che Guevara traf Ziegler: Bei der ersten UN-Zuckerkonferenz in Genf durfte er den berühmten Revolutionär chauffieren.

Der Guerilla-Kämpfer beeindruckte den Schweizer so sehr, dass er ihm nacheifern wollte. Doch Che hatte andere Pläne für ihn: Sein Platz sei Genf, wo er "das Gehirn des Monsters" bekämpfen solle, habe ihm Che Guevara gesagt. Diesem Auftrag folgt Ziegler, der sich selbst als Marxist sieht, seitdem mit Inbrunst.

Immer wieder prangert er Missstände an - vor allem die Folgen der Globalisierung und den "Raubtierkapitalismus". Dabei kann er sich auf einen reichen Erfahrungsschatz berufen - ist er doch weit gereist und hat dabei viel Leid gesehen, etwa während eines UN-Einsatzes im Kongo oder bei Besuchen in den Elendsvierteln rund um die Welt. Sein Traum: Eine Art Revolution von unten durch eine "planetarische Zivilgesellschaft", angetrieben von dem Unwohlsein der Men schen durch das Leid in aller Welt.