von Jürgen Scholz

Der Ort für die Abschlusskonferenz war bewusst gewählt: das Haus des Bundesbauernverbandes in Berlin. Denn bislang konnten die Teilnehmer des Forschungsprojekts „Aufwerten“ mit ihrem Ansatz bei wichtigen Gremien kaum landen. „Es hat eher exotischen Charakter“, ordnete Florian Schöne, der den Deutschen Naturschutzring als Dachorganisation vieler Naturschutzverbände vertrat, den Stellenwert von Agroforst ein. Der Begriff Agroforst)$ kam bisher nicht vor, bestätigte auch Udo Hemmerling vom Deutschen Bauernverband. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zwängen aber zu neuen Lösungen, sagte der stellvertretende Generalsekretär des Bauernverbandes. Dafür müssten aber Hemmnisse bei der Förderung beseitigt und Klimaleistungen berücksichtigt werden.

Zumindest in einem Punkt kann Christian Böhm von der BTU Cottbus-Senftenberg zufrieden sein: Der Ansatz, Landwirtschaft in einem System zu betreiben, das Vorteile von Gehölzen nutzt, wird nun auch an wichtigen Stellen wahrgenommen. Vier Jahre wurde geforscht, getestet, wurden Praxiserfahrungen gesammelt, Probleme benannt, Lösungsvorschläge gemacht.

Die Lausitz war ein Forschungsschwerpunkt. Gerade auf leichten Böden kann die Kombination von Gehölzen mit Feldwirtschaft Vorteile bringen: Bodenerosion durch Wind wird verringert)$, das Austrocknen der Erde verlangsamt, die Bindung von Stickstoff erhöht. Die Auswirkungen des Schattenwurfs auf Feldfrüchte werden an anderer Stelle ausgeglichen. Das Plus am Ende ist der Holzertrag, bilanziert Böhm.

Durch eine Änderung im brandenburgischen Wassergesetz können Bäume – auf Antrag – auch an Gewässerrändern gepflanzt werden. Damit kann der Nitrateintrag)$ verringert werden. Allein diese Ausnahme zu erreichen, sei schon ein Kampf gewesen, erklärte Thomas Domin. Der Landwirt erprobt seit Jahren auf Flächen bei Senftenberg Agroforst-Ansätze und betont: „Ohne Anschubfianzierung geht es nicht.“

Bis Ende des Jahres sollen alle Abschlussberichte vorliegen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Bereits jetzt gibt es Programme, mit denen sich berechnen lässt, ob und wie sich Agroforst-Systeme für Landwirte rechnen. Eine Beratung soll vom noch zu gründenden Fachverband und einem geplanten Kompetenzzentrum gesichert werden. Dafür setze er sich beim Bundesfinanzminister ein, versicherte Michael Stübgen (CDU), Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium.

In der Orientierung auf die Praxis sei dieses Projekt beispielhaft gewesen, erklärte Michael Weber vom Bundesforschungsministerium, dem Auftraggeber des Forschungsauftrags. Die Aufgabe, ein Innovationskonzept zu erarbeiten, sei mustergültig an den Erfordernissen von Praktikern ausgerichtet gewesen. Und man habe auch den Mut gehabt mitzuteilen, wo etwas nicht funktionierte, lobte Weber.

Der Ball liegt nun vor allem beim Bundeslandwirtschaftsministerium. Das lässt derzeit vom Thünen-Institut prüfen, welche Ansätze wie umgesetzt werden können, sagt Stübgen. Denn ein wesentlicher Punkt wird sein, wie die Umweltleistung von Bäumen auf dem Feld gemessen werden kann. Bislang ist das Pflanzen eines Baums auf ein Feld für Landwirte vor allem eins: unwirtschaftlich.