. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Allerdings wurde die seit vier Jahren regierende schwarz-gelbe Koalition am Sonntag abgewählt, weil die FDP nach einem historischen Desaster erstmals in ihrer Geschichte aus dem Bundestag flog.

Ein kleiner Unsicherheitsfaktor blieb in den Hochrechnungen gegen 24 Uhr die eurokritische Partei AfD. Sie verbuchte einen Überraschungserfolg dicht an der Fünf-Prozent-Marke. Rot-Grün verfehlte einen Regierungswechsel deutlich.

Merkel hat jetzt alle Karten in der Hand - nach den Hochrechnungen ist in jedem Fall eine große Koalition mit der SPD oder Schwarz-Grün, wenn nicht sogar die Alleinregierung der CDU/CSU möglich. In einem abendlichen Wahlkrimi schwankten in den Hochrechnungen ständig die Mehrheiten. Die Liberalen blieben mit dem schwächsten Ergebnis ihrer Geschichte deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde hängen. Die Union dagegen schaffte ihr bestes Resultat seit der Einheits-Wahl 1990 - erstmals konnte Merkel als Parteichefin das Ergebnis steigern. Freude auch im traditionellen SPD-Land Brandenburg, wo die CDU als klarer Sieger hervorging. Landeschef Michael Schierack: "Ein klarer Sieg für den Kurs der Kanzlerin. Das Ergebnis habe ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet."

Für die vor wenigen Monaten gegründete Alternative für Deutschland (AfD) war den Hochrechnungen kurz vor Mitternacht zufolge der Sprung in den Bundestag unwahrscheinlich: 4,8 Prozent.

Nach den aktuellen Zahlen verfehlten die SPD mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und die Grünen mit dem Duo Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin ihr Wahlziel um Längen: Die angestrebte rot-grüne Regierung wird es nicht geben.

Eine große Koalition hatte zuletzt von 2005 bis 2009 unter Führung Merkels regiert und Deutschland gut durch die Wirtschafts- und Finanzkrise geführt.

Merkel sprach unter dem Jubel ihrer Anhänger von einem "Superergebnis" und versicherte: "Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen." Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel zeigte sich enttäuscht: "Ja, wir haben zugelegt, aber wir haben mehr erwartet, keine Frage", sagte er und gratulierte der Union.

FDP-Chef Philipp Rösler und Spitzenkandidat Rainer Brüderle übernahmen die Verantwortung für das Debakel ihrer Partei und deuteten ihren Rücktritt an. Brüderle: "Das ist das schlechteste Ergebnis, das wir bislang mit der FDP erreicht haben."

Zur Wahl aufgerufen waren rund 61,8 Millionen Bürger. 34 Parteien mit 4451 Kandidaten bewarben sich in den 299 Wahlkreisen um die regulär 598 Sitze im Bundestag. Deren Zahl kann durch Überhang- und Ausgleichsmandate steigen.

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Seiten 2,3,4 und Lokales