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Angeklagter SS-Mann ging von Tod der Juden in Auschwitz aus

Lüneburg. Im Lüneburger Auschwitz-Prozess haben zwei Überlebende in erschütternden Details die Verschleppung ihrer Familien in den Tod geschildert. Der aus Kanada angereiste Nebenkläger Max Eisen (86) sagte als Zeuge am Donnerstag aus, wie bereits auf dem Bahntransport von Ungarn in das Vernichtungslager Menschen starben. dpa/uf

"Werden wir unsere Familien heute wiedersehen?", hätten sein Vater und sein Onkel kurz nach der Trennung an der Rampe in Auschwitz gefragt. "Eure Familien sind durch den Schornstein gegangen", hätten Häftlinge ihnen geantwortet. "Mein Vater und mein Onkel verstanden." Seine Mutter, seine kleine Schwester und seine beiden Brüder hat Eisen nie wiedergesehen - ebenso seine Tante und die Großeltern.

Der angeklagte frühere SS-Mann Oskar Gröning hatte zuvor erklärt, ihm sei klar gewesen, dass wohl kaum ein Jude lebend aus dem Konzentrationslager herauskommen würde. "Ich konnte mir das nicht vorstellen." Bei den Schilderungen Eisens zeigte der Angeklagte keine große Regung. Gröning wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300 000 Fällen vorgeworfen. Zu Prozessbeginn hatte er sich zu seiner moralischen Mitschuld bekannt.