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| 01:26 Uhr

Angeklagter ersticht Zeugin in Dresdner Gerichtssaal

Aufregung in den Gerichtsfluren nach der Messerattacke. Foto: ddp
Aufregung in den Gerichtsfluren nach der Messerattacke. Foto: ddp FOTO: ddp
Dramatische Bluttat vor dem Dresdner Landgericht: In einer Verhandlung wegen Beleidigung hat ein 28-jähriger Angeklagter gestern Vormittag mit einem Messer mehrfach auf eine Zeugin eingestochen. Der Notarzt habe die 32-jährige Frau nicht mehr retten können, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius der RUNDSCHAU. Von Sven Heitkamp

Die Zeugin starb noch im Gerichtssaal an den Folgen der Attacke. Zwei weitere Menschen wurden bei dem Überfall verletzt, berichtete die Dresdner Rettungsleitstelle. Bei der Überwältigung des Täters fiel Avenarius zufolge auch ein Schuss. Der Täter konnte von Polizisten aber umgehend überwältigt und kurz nach dem Vorfall bereits vernommen werden. Gegen ihn wird jetzt zunächst wegen Totschlags ermittelt, später möglicherweise auch wegen Mordes. "Wir sind alle sehr betroffen, dass eine ganz alltägliche Verhandlung in eine solche Katastrophe gemündet ist", sagte Avenarius. Besondere Zugangskontrollen zum Gebäude oder zum Gerichtssaal sowie andere Sicherheitsvorkehrungen habe es vor der an sich unspektakulären Verhandlung nicht gegeben. "Es gab keine Anhaltspunkte für eine Gefährdung", sagte Gerichtssprecherin Bettina Garmann der RUNDSCHAU. Sicherheitskräfte der Justiz seien in der Regel nur dann anwesend, wenn Beschuldigte aus der Haft oder aus der Untersuchungshaft bei Gericht vorgeführt würden. Der 28-jährige Alex W. war Ende vorigen Jahres vom Dresdner Amtsgericht wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden und hatte gegen den erstinstanzlichen Richterspruch Berufung eingelegt. Der seinerzeit arbeitslose Lagerfacharbeiter soll im August 2008 auf einem Spielplatz eine Frau heftig beschimpft und beleidigt haben. Sie hatte ihn laut Garmann gebeten, eine Schaukel für ihr Kind freizumachen.Während der Befragung der Zeugin - etwa um 10.20 Uhr - ging der Angeklagte plötzlich auf die Frau los. Weitere Umstände und der genaue Tathergang seien aber noch unklar, sagte Avenarius. "Wir brauchen Zeit, um das Geschehen genau zu ermitteln." Nicht gesichert war zunächst, ob die Frau vom Spielplatz tatsächlich auch das Todesopfer ist.