Auf der Anklagebank: Der Ex-GWC-Chef Joachim Käks muss sich vor dem Amtsgericht Cottbus verantworten.Die Staatsanwaltschaft wirft Elise G. vor, dass sie die Alteigentümerin eines Hauses in der Cottbuser Nordstraße über die Höhe eventueller Rückzahlungsforderungen durch die GWC getäuscht habe. Dadurch habe sie die Frau dazu gebracht, das Haus an die Familie von Elise G. zu verkaufen. Dann soll die Angeklagte mit Hilfe des ehemaligen GWC-Geschäftsführers Joachim Käks versucht haben, die Rückforderung aus der Welt zu schaffen.

Angeklagte beteuert Unschuld
Elise G. ist sich keiner Schuld bewusst, im Gegenteil. Sie sieht sich als Opfer. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, wenn hier jemand übers Ohr gehauen wurde, dann ich“ , sagte die 52-Jährige und teilte aus. Die Gebäudewirtschaft habe für Sanierungsarbeiten an dem umstrittenen Haus fragwürdige Zahlungen an eine Gubener Baufirma geleistet. Das sollte vertuscht werden, indem man nun von ihr eine Menge Geld forderte.
Elise G. bearbeitete bei der GWC Rückübertragungsfälle. Auf ihrem Schreibtisch landete auch das Haus Nordstraße 8. Die Alteigentümerin, die Rentnerin Ingeburg M. aus Celle, habe ihr das Haus zum Kauf angeboten, weil sie eine mit der Rückgabe übermittelte Forderung der GWC über 100 000 Euro für bereits erfolgte Sanierungsarbeiten nicht bezahlen konnte, erklärte Elise G. Diese Forderung war auch über ihren Tisch gegangen. Frau M. habe schnell verkaufen wollen, Hauptsache sie werde die Rückzahlungsforderung los. Elise G. versichert, sie habe sich das Haus vorher nicht von innen ansehen können. Erst nach dem Kaufvertrag habe sie entdeckt, dass dort nie und nimmer 100 000 Euro investiert worden seien.
Dann habe sie, so die Angeklagte, sofort an Joachim Käks geschrieben, er solle die Sanierungskosten überprüfen lassen. Das Schreiben sei jedoch auf dem Tisch des damaligen kaufmännischen Geschäftsführers, Günter Thiessat, gelandet. Durch den damaligen GWC-Anwalt sei dann ein Beweissicherungsverfahren eingeleitet worden. Damit sollte festgestellt werden, wie viel die bereits erfolgte Teilsanierung wirklich wert war.
Doch während dieses Verfahrens am Landgericht wurde durch die Familie von Elise G., den neuen Eigentümern, weitergebaut. „Wir mussten das machen aus Sicherheitsgründen, es gab schon einen Kabelbrand“ , verteidigt die Angeklagte dieses Vorgehen. Die Gutachter konnten dadurch jedoch nicht mehr genau feststellen, was vorher war. Nach zwei Jahren Dauer und rund 5000 Euro Gerichtskosten für die GWC brach diese das Sicherungsverfahren ab. Eine Rückzahlung war durch die GWC von der Sachgebietsleiterin bis dahin nicht gefordert worden. Joachim Käks wurde bald darauf zusammen mit Günter Thiessat entlassen.
Dass ihre Familie als neuer Eigentümer im Streit mit der GWC um die Höhe der Sanierungskosten nicht öffentlich auftrat, begründet Elise G. so: „Ich wollte, dass es da ganz objektiv zuging.“ Deshalb sei ein Bekannter ihres Sohnes gegenüber der GWC bei der Hausübergabe und später im Beweissicherungsverfahren als Verwalter des Hauses und Beauftragter der Alteigentümerin aufgetreten. Dass ihr Sohn damals mit der Tochter von Joachim Käks zusammenlebte, bestritt sie. Der Ex-GWC-Chef jedoch bestätigte diese damalige Verbindung.

Vorwurf gegen Karin Rätzel
An die Vorgänge um das Haus in der Nordstraße konnte Käks sich dagegen nur noch wenig erinnern. Das Beweissicherungsverfahren, so sagte er, habe er abbrechen lassen, weil die angeblichen Mängel nicht mehr nachzuweisen und die Rückforderung inzwischen verjährt gewesen seien. Käks erhob jedoch ebenfalls schwere Vorwürfe. Die GWC habe für die Dachinstandsetzung des Hauses Anfang der 90er-Jahre 40 000 Mark Fördermittel bekommen. Dieses Geld soll in dieser Höhe unter falschen Voraussetzungen erschlichen worden sein, behauptete Käks, der damals noch nicht GWC-Chef war. Statt vorhandener sechs Wohnungen seien acht in den GWC-Antrag geschrieben und die Dachfläche um ein Drittel größer angegeben worden als vorhanden. Den Antrag, den Käks als „Subventionsbetrug“ bezeichnete, habe neben dem damaligen technischen Geschäftsführer auch die ehemalige kaufmännische GWC-Chefin, die heutige Cottbuser Oberbürgermeisterin, Karin Rätzel unterschrieben.
Außerdem empörte sich Käks, dass für die Sanierungsarbeiten weder eine Ausschreibung, noch ein nachvollziehbarer Auftrag oder schlüssige Rechnungen vorgelegen hätten. Trotzdem sei bezahlt worden.
Der Vorgesetzte von Elise G. und ein anderer leitender Mitarbeiter waren nach der scheinbaren Rückgabe des Hauses in der Nordstraße an die Alteigentümerin durch verschiedene Hinweise darauf aufmerksam geworden, dass die ehemalige Sachgebietsleiterin das Haus inzwischen gekauft hatte. Beide wollen darüber die ehemaligen GWC-Chefs Käks und Thiessat im Herbst 1998 informiert haben. Das sagten sie als Zeugen aus.
Eigentlich sollte gestern neben Elise G. und Joachim Käks auch der frühere GWC-Anwalt Axel K. auf der Anklagebank sitzen. Der hatte sich jedoch vor wenigen Tagen mit einem Attest krank gemeldet. Gegen ihn wird nun zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt. Das Verfahren gegen Elise G. und Joachim Käks wird in der nächsten Woche mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Drei weitere Verhandlungstage sind bereits geplant.