Ursache dafür sei vor allem die Vogelgrippe, sagte Günther Drobisch vom Sächsischen Geflügelwirtschaftsverband. Durch die strenge Stallpflicht, die bis zum Mai bundesweit für Geflügel galt, habe es deutlich weniger Nachwuchs an Gänse-Küken gegeben.

Kaum Eier ausgebrütet
Die Befruchtung der Gänse erfolge in natürlichen Gewässern vor allem von März bis Juni. Von Mai an aus der Stallhaft entlassen, habe das Federvieh aber schon die Hauptpaarungssaison verpasst. "Es wurden kaum Gänse-Eier ausgebrütet", sagte Drobisch. Auch das damals von der Vogelgrippe betroffene Unternehmen, die Gänsezucht Eskildsen GmbH in Wermsdorf, musste im Frühjahr einen Großteil des Geflügel-Bestands aufgeben. Mittlerweile sind die normalen Bestandszahlen aber wieder erreicht. "Derzeit ziehen wir wieder 8000 Gänse auf", sagte Chef Lorenz Eskildsen.
Doch nicht nur gewerbliche Gänsezucht-Betriebe seien verunsichert, die Vogelgrippe habe auch viele Hobby-Züchter derart verschreckt, dass sie sich gar keine Hausgänse zur Züchtung mehr anschafften, erzählte Eskildsen. Auch das führe zu einer deutlichen Minimierung der Bestände. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes verringerte sich die Zahl der Geflügelzucht-Betriebe im Freistaat erheblich. Im Vergleich zu 2003 gebe es rund 300 Betriebe weniger, nahezu jeder zehnte Bestand sei aufgegeben worden.
Die Defizite in Sachsen werden nach Angaben des Branchenverbandes durch Gänse aus Polen und Ungarn kompensiert. Deren Fleisch sei allerdings oft von anderer Qualität, sagte Drobisch. In Deutschland herrschten weitaus strengere Gesetze und Kontrollen. "Wer sich etwas Gutes gönnen will, holt seine Gans am Besten direkt beim Mäster ab." Gänsebraten-Liebhaber müssten deutlich tiefer in die Tasche greifen. Nach Angaben von Züchter Eskildsen müssten die Verbraucher mit etwa einem Euro mehr pro Kilo rechnen, da die Stallhaltung enorme zusätzliche Kosten verursacht habe. Da seine Gänsefarm nach wie vor Risiko-Bereich sei, gestalte sich die Aufzucht kompliziert. "Auf unserem Gelände dürfen die Tiere wegen der angrenzenden Wasserflächen nicht raus, wir bringen die Gänse darum extra in den Nachbarort zu anderen Wiesenflächen", sagte Eskildsen.

Warnung vor Panikmache
Günter Drobisch vom Geflügelwirtschaftsverband warnte jedoch vor Panikmache in Sachen Vogelgrippe. "Das Virus ist bei der Wildvogelpopulation zwar immer noch verbreitet, die Züchter schützen ihre Bestände aber mit allen Mitteln." Für so genannte Risikogebiete wie Flussauen, größere Gewässer über 50 Hektar sowie Anlagen mit besonders hoher Geflügeldichte gilt nach wie vor die Stallpflicht. In den meisten Betrieben darf das Federvieh aber wieder frei herumlaufen. (dpa/ta)