Mit einem Schlag konnte sich jeder, der Internet-Zugang hat, ein ungeschminktes und ungefiltertes Bild über den Krieg machen.

Am gestrigen Freitag trat der Mann, der hinter den Enthüllungen stehen soll, vor ein Militärgericht in den USA – dem 23-jährigen Obergefreiten Bradley Manning droht lebenslange Haft.

Manning, der als Geheimdienst-Analyst der US-Armee im Irak diente, gibt sich kaum Mühe, seine Taten zu verbergen. „Wenn Du freien Zugang zu Geheimdokumenten hast“, zitiert ihn ein Unterstützer-Netzwerk, „und Du unglaubliche, schreckliche Dinge siehst... Dinge, die an die Öffentlichkeit gehören... Was würdest Du tun?“

Das ist die klassische Haltung des Whistleblowers: Machenschaften der Herrschenden für jeden transparent machen. Manning: „Ich möchte, dass die Menschen die Wahrheit sehen.“

Das Pentagon bewertet die Angelegenheit naturgemäß anders. Von Anfang an brandmarkten die Militärs Manning als Saboteur, der mit der Weitergabe von Geheimdokumenten an Wikileaks dem Feind in die Hände gespielt und das Leben seiner Kameraden gefährdet habe. Der schwerste Anklagepunkt lautet „Unterstützung für den Feind“ – darauf steht Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft hat aber laut US-Medien bereits deutlich gemacht, dass sie die nicht beantragen wolle.

Ob es tatsächlich zum Prozess kommt, muss jetzt bei der Anhörung vor dem Militärgericht in Fort Meade in der Nähe Washingtons geklärt werden. Die Anhörung, bei der die Staatsanwaltschaft ihre Beweise auf den Tisch legen muss, dauert mehrere Tage, ein möglicher Prozess könnte sich über Monate hinziehen.

Ein Prozess – wenn es denn dazu überhaupt kommt – dürfte spektakulär werden – und ein Meilenstein für alle Whistleblower. Zwar hält sich Mannings Anwalt David Coombs öffentlich zurück, doch seine Unterstützer haben bereits die Strategie der Verteidigung ins Netz gestellt. Tenor: Die Behauptung der US-Armee, dass eigene Soldaten durch die Enthüllungen in Gefahr geraten seien, sei falsch. Selbst hohe Militärs hätten das intern eingeräumt.