Gestern übergab Bagdad den UN-Chefkontrolleuren Hans Blix und Mohamed el Baradei wichtige Dokumente über verbotene Massenvernichtungswaffen, wie aus UN-Kreisen verlautete. Blix lobte die Gespräche mit der irakischen Führung als "substanziell und nützlich".
Es handele sich um Material über "nukleare und biochemische" Waffen, hieß es von Seiten der Uno weiter. Bereits am Samstag hatte Irak Blix und Baradei neue Unterlagen übergeben. Irak habe Auskunft über bisher offene Fragen zur Abrüstung gegeben, sagte Baradei am Samstagabend.
Die UN-Waffeninspekteure haben sich nach ihren neuen Gesprächen in Bagdad positiv über die "neue Haltung" Bagdads geäußert. "Ich sehe hier, dass sie begonnen haben, ihre Meinung zu ändern", sagte der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed el Baradei, gestern. "Wir haben einige Dokumente zu wichtigen offenen Fragen erhalten", bestätigte Hans Blix. Die Informationen beziehen sich laut Blix unter anderem auf die Entwicklung der irakischen Raketen vom Typ El Sumoud und El Fatah. Blix sprach vom Beginn einer neuen Haltung der irakischen Regierung.
Weitere Fortschritte erzielten die Inspektoren auch bei der Befragung von Wissenschaftlern. Bis zum Wochenende konnten fünf Forscher ohne irakische Kontrolle befragt werden. Ein Biologe habe sich dem Interview jedoch widersetzt, weil er mit dem Ablauf der Befragung nicht einverstanden gewesen sei, sagte UN-Sprecher Hiro Ueki. Der uneingeschränkte Zugang zu Wissenschaftlern, wie er in der UN-Resolution 1441 gefordert wird, war bislang immer wieder Streitpunkt zwischen Bagdad und den Inspektoren gewesen. Es war der zweite Besuch der Chefinspektoren in Bagdad seit Beginn der Waffenkontrollen Ende November. Die Gespräche gelten als ausschlaggebend für den zweiten Bericht zum Stand der Inspektionen, den Blix und Baradei dem Sicherheitsrat am Freitag vorlegen wollen.
Wie die britische Zeitung "Sunday Telegraph" unter Berufung auf einen Diplomaten des UN-Sicherheitsrats berichtete, planen die USA und Großbritannien, dem irakischen Machthaber Saddam Hussein eine Frist von 48 Stunden zum Verlassen seines Landes zu setzen. Sollte sich in dem neuen Bericht der UN-Waffeninspektoren herausstellen, dass Saddam Hussein die Abrüstung verweigert, soll er zwei Tage Zeit haben, durch einen Gang ins Exil einen Krieg zu vermeiden. (AFP/dpa/kr)