Auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs stieß sein Werk dagegen auf Bewunderung, war begehrt bei Sammlern und ist im New Yorker Moma zu finden. Seine Kunst sei jetzt zwar anerkannt, aber erkannt sei sie bisher weder im Osten noch im Westen beim breiten Publikum, konstatiert Julia M. Nauhaus, Chefin des Altenburger Lindenau-Museums und der Stiftung Gerhard Altenbourg. Der Grafiker gilt vielen bis heute als Außenseiter, als Einzelgänger. Familie Ströch - so sein eigentlicher Name - lebte in ärmlichen Verhältnissen: Der Vater, ein Baptistenprediger, starb 1941, Witwenrente erhielte die Mutter nicht. Für seine künstlerische Arbeit zog er sich in sein Elternhaus in Altenburg zurück.

Prägend für sein Schaffen ist zunächst seine Erfahrung aus den letzten beiden Kriegsjahren an der Ostfront. Unter den Eindrücken des Krieges entwickelt Altenbourg eine "Ästhetik des Zerstörerischen", beschreibt es die Germanistin und Vertraute Christa Grimm. Nauhaus führt dafür seine "Ecce Homo"-Zeichnungen an: "Bei ihm steht der Mensch im Mittelpunkt, es geht um Verzweiflung, Schmerz und Willkür." Altenbourg hat die Kriegserfahrung zugelassen und ist darüber unter anderem zum Abstrakten gekommen. "Er hat sich sehr zeitig vom direkten Anschauen und Abbilden von Wirklichkeit gelöst", erläutert Grimm.

Später gelingt es Altenbourg, sich von Bedrängnissen zu lösen, seine Arbeiten werden ab 1950 farbiger und mehrschichtiger. "Er fängt 1959 mit Holzschnitten an - das ist eine völlig andere Welt", erklärt Nauhaus. "Da löst er sich total von dieser Ästhetik des Zerstörerischen und wird unglaublich frei." Und er entwickelt große Experimentierfreude: Nach ersten Holzschnitten in Schwarz-Weiß setzt er Farbe ein, er schneidet tiefe Furchen ins Holz. Altenbourgs Schaffen endete 1989 abrupt mit seinem Unfalltod im Alter von 63 Jahren. Sein Grabstein trägt außer Namen und Lebensdaten nur ein Wort: "Unverwehet".